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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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30 ſeyn, ſo ſchnell wurde er entfernt, und faſt ſo viele Monathe, als ihre Bekanntſchaft mit dem Grafen gedauerk hatte, waren vergangen, ohne daß ſie, wie ſonſt, dieſes und jenes liebe Angedenken, daß

ſie von Raimund beſaß, betrachtet und mit ihren

Thränen benetzt hatte. Der Vermählungstag war nahe, als Marga⸗ retha eines Morgens allein in die Domkirche ging, um die Meſſe zu hören. Der Zufall wollte, daß ſie gerade auf derſelben Stelle kniete, wo Raimund ſie zum erſten Mahle geſehen hatte. Dieſe Erinne⸗ rung ergriff ihr Herz mit wunderbarer Gewalt⸗ Das Andenken des theuren Todten preßte ihr einen tiefen Seufzer aus. O Raimund, ſprach ſie, ver⸗ zeihe mir, daß ich den Schwur breche, den ich im erſten Schmerze gethan habe, nach dir keinem Manne anzugehören. Auch Gott wird's mir ver⸗ geben. Als ſie nach einigen Minuten aus tiefen Ge⸗ danken aufſah, bemerkte ſie einen alten gebeugten Dominikanermönch mit kahler Glatze, um welche einige ſilberweiße Haare hingen, und hagerm gelb braunem Geſichte, der aus tiefen Augenhöhlen ei⸗ nen feſten Blick auf ſie warf. Sie ſchauderte un⸗ willkührlich, und unvermögend den ernſten Blick des Mönchs zu ertragen, ſah ſie nieder und ſuchte vergebens die bewegte Seele zu beruhigen. Endlich hörte ſie des Meßprieſters letztes: Der Herr ſey mit Euch! da erhob ſie ſich, ohne aufzublicken, und

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