28 erfüllte die Geburt eines Sohnes ſeine kühnſte Hoffnung.
Margaretha hatte ihres Vater Vermählung ohne Neid, ja mit Freude geſehen, da ſie, ent⸗ ſchloſſen dem Andenken ihres Geliebten treu zu blei⸗ ben, der väterlichen Bitte, daß ſie ihr Herz zu ei⸗ ner neuen Verbindung ſtimmen möge, nun auszu⸗ weichen hoffte. Aber für ſie war bald das ſtille Glück in ihres Vaters Hauſe verloren. Ihre Stief⸗ mutter war eine von den Jungfrauen, welche durch den Vorzug, den Margaretha einſt von Maximili⸗ ans Sohne erhalten hatte, auf das empfindlichſte
war gekränkt worden, und verfolgte ſie ſeitdem mit
dem bitterſten Haſſe. Gleich nach der Geburt ihres Sohnes warb der Graf von Helfenſtein um ihre Stieftochter. Die Freyfran wußte, daß Margare⸗ tha jeder neuen Verbindung abgeneigt war, und gerade dieß bewog ſie, alles aufzubiethen, um ih⸗ ren Gemahl dafür zu gewinnen. Leicht mußte ihr dieß gelingen, da ein Bündniß mit dem reichen, durch wichtige Verbindungen mächtigen, Grafen ſeinem Ehrgeitze nur zu ſehr ſchmeichelte. Marga⸗ retha ſah, daß ihres Vaters Eutſchluß gefaßt war, und gehorſam nahm ſie des Grafen Bewerbung an. Die Vorzüge des liebenswürdigen und edel geſinn⸗ ten Mannes machten ihr das Opfer, welches ſie dem Willen des Vaters brachte, gleich aufangs minder ſchwer, und gewannen nach und nach ſo viel über ſie, daß ſich zwar nicht Liebe, aber ein Gelühl


