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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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27 Fiſcherſage ſchien ſich bey näherer Erkundigung in ein Mährchen aufzulöſen, und aus einigen, in Li⸗ vorno bekannten, Umſtänden wurde es ſehr wahr⸗ ſcheinlich, daß Raimund der tapfere Ritter geweſen ſey, der in einem Treffen vor den Mauern der Stadt gefallen und mit vielen Wunden bedeckt, in dem Graben, worin man ihn am Morgen nach ei⸗ ner heftig kalten Nacht gefunden, umgekommen war. So vergingen beynahe vier Jahre, ohne daß die Hoffnung, eine Spur von dem Verlornen zu finden, wieder erwachte. Am Hofe des Kaiſers, der ſeitdem einige Mahle in Augsburg war, hatte man alle Nachforſchungen ſchon aufgegeben, und der tapfere Ritter, der ſeinem Fürſten alles redlich aufgeopfert, war hier längſt vergeſſen, als ſeine Brant noch um ihn weinte.

Doch die Zeit trocknete endlich auch ihr Auge, und ihr Herz ward in frommer Ergebung ruhig. Der Freyherr, dem das Andenken des unglückli⸗ chen Ritters nicht minder theuer war, hatte ihren Schmerz geſchont, als ihm aber zur Gewißheit ge⸗ worden, daß der Tod das Band der erſten Liebe zerriſſen hatte, dachte er nur an den Vortheil ſeines alten Stammes, deſſen Erlöſchung er mit trauri⸗ gem Gefühle voraus ſah. Aber während er einen neuen Bräutigam für ſeine Tochter ſuchte, lernte er ein Fräulein kennen, das ſein mehr als fünf⸗ zigjähriges Herz zu verjüngen verſtand. Er ſchloß eine neue Verbindung, und ein Jahr ſpäter

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