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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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Margaretha, hob Naimund mit ſichtbarer Un⸗ ruhe wieder an, Ihr irret Euch, wenn Ihr glau⸗ bet, es hätte mißtrauiſche Beſorgniß

Keine Rechtfertigung; antwortete ſie neckend. Bekennet Euch ſchuldig und zeigt fromme Reue.

Aber was wollt Ihr hier ſchon ſehen, fuhr ſie fort,

ſeine Hand abwehrend, die das Geheimniß zu ent⸗

hüllen ſuchte. Ihr könnet leicht denken, das Bild iſt kaum angelegt.

Ungeduldig riß Raimund das Tuch weg und

wie groß war ſeine freudige Überraſchung, als er

eine faſt vollendete Stickerey ſah, welche im leb⸗ hafteſten Farbenglanze den Augenblick darſtellte, wo Margaretha den Turnierpreis, den ſie aus des Kaiſers Hand empfangen hatte, ihm, dem Glück⸗ lichen, übergab.

O Margaretha! rief er, entzückt ſie in ſeine Arme ſchließend. Aber Du konnteſt mich ſo quä⸗ len!

Nicht wahr, ſprach ſie, mit dem wärmſten Blicke der Liebe: der Augenblick war doch einer der ſchönſten unſeres Lebens? Ich denke, der ſieg⸗ reiche Ritter mit wild fliegendem blonden Haare⸗, der da mit abgenommenem Helme vor mir kniet,

damit ich ihm die Kette umhange, iſt ſo ziemlich

ähnlich gerathen, wenn er auch während der Arbeit nicht vor mir geſeſſen hat.

Raimund drückte ſie an ſeine Bruſt, und was beyde empfanden, und mehr als Worte ſagen konn⸗