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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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1*½ Euer Oheim aus Hiſpanien geſandt, vor dem Luſt⸗ hauſe am Teiche. Als ich nun über die Brücke flog, um zu Euch zu eilen, ſiehe da ſpritzte ein ſteiner⸗ nes Götterbild, das aus dem Gebüſche hervor ſchaute, mich über und über naß. Da habt Ihr mich ausgelacht, Margaretha!

Es war die neue Waſſerkunſt, die mein Va⸗ ker durch den Baumeiſter aus Venedig hatte anlegen laſſen.

Aber als ich Euch nun ſagte, daß mein Va⸗ ker zu dem Eurigen gegangen und daß ich gekom⸗ men, um Abſchied von Euch zu nehmen. Wir hatten nicht gedacht, daß wir ſo bald ſchon uns krennen ſollten. Das war der Tag, wo ich Euch zum letzten Mahle ſah. Ich vergeſſe den ſchönen Mayabend nie, Margaretha, ich habe nicht ver⸗ geſſen, was ich Euch verſprochen, als wir une zum letzten Mahle die Hände reichten, in dem Augen⸗ blicke, wo Eure Mutter kam, Euch abzuhohlen. Die Gute iſt auch bald darauf von mir ge⸗ krennt worden, hob Margaretha wieder an, und ih⸗

re Schweſter hat ſeitdem meine verwaiſete Jugend

gepflegt.

Eure edle Mutter war mir immer gewogen, erwiederte Raimund. Wenn ſie noch lebte Nein, Margaretha, ich habe nicht vergeſſen, was ich Euch

in der Stunde der Trennung verſprach, Euch gut

zu bleiben und an Euch zu gedenken. Als ich am folgenden Morgen mit meinem Vater auf dem We⸗