Druckschrift 
Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9 und Schultern herab, und ſpielte, wie die Wel⸗ len eines Baches mit den Blumen am Ufer ſpielen, um die blühenden Wangen, als ſie, das große blaue Auge ſenkend, vor dem Kaiſer ſittſam ſich neigte. Maximilian ließ ſein Auge mit freundlicher Überraſchung einen Augenblick auf ihr ruhen, ehe er ihre Hand ergriff, um den Ring an den zarten Finger zu ſtecken. Schöne Jungfrau, ſprach er darauf, glücklich wird der Mann zu preiſen ſeyn, von welchem Ihr einſt ein ſolches Zeichen der Liebe und Treue annehmet. 2

Noch mehr aber als der Kaiſer, war der jun⸗ ge Ritter, der ihm die Ringe gebracht hatte, von dem Anblicke der Jungfrau bewegt. Mit unver⸗ wandtem Auge ihr nachſehend, als ſie ſich ent⸗ fernte, vergaß er, den letzten RNing aus dem Kaͤſt⸗ chen zu nehmen, und ſchon hatte ſich eine junge Frau, die denſelben empfangen ſollte, vor dem Kai⸗ ſer geneigt, als dieſer endlich lächelnd anhob: Nun, Raimund, wo ſind Eure Augen?

Beſtürzt, die erwachende Regung verrathen zu haben, wandte ſich der Ritter erröthend zu ſeinem Gebiether, ihm den Ring zu überreichen. Als nun die Vertheilung geendigt war, entfernte ſich der Kaiſer mit ſeinen altern Begleitern und üverließ den jüngern, ſich noch ferner mit den Frauen zu erluſtigen. Raimund miſchte ſich alsbald in die bunten Reihen, um die Jungfrau wieder zu fin⸗ den, die ihn ſo ſehr angezogen hatte. Endlich fand