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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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lächelnd zu den Rittern, die um ihn ſtanden: Traun! es ſind auch unter den vermählten Frauen ſo viele, holdſelig von Angeſicht und Geberde, die lieber ihre häßlichen Schleyer ablegen und das offene Geſicht unter einem luſtigen Federhütlein, wie die lieblichen Jungfrauen, mir und andern Freunden ſchöner Angeſichter zeigen mögen. Als nun die Frauen vernahmen, was der Kaiſer ge⸗ wünſcht, waren ſie gern bereit, ihm zu willfahren*), er aber wollte nicht ſcheiden, ohne ihnen ein An⸗ denken dieſes Tages zu hinterlaſſen. Auf ſeinen Wink trat ein Ritter mit einem Geſchmeidekäſtlein zu ihm, und ſeiner Einladung folgend, näherten ſich alle Frauen dem Kaiſer, und jede empfing aus ſeiner Hand einen goldenen Ring. Maximilian reich⸗ te jede Gabe mit einem freundlichen Blicke, doch manche Hand ſchien er mit beſonderem Wohlge⸗ fallen zu berühren, zumahl als faſt zuletzt eine liebliche Jungfrau an der Seite einer ältlichen Begleiterinn vor ihm trat. Es war eine hohe ſchlan⸗ ke Geſtalt. Ein enges Mieder von ſchwarzem Sam⸗ met umſchloß den zarten Leib über dem weitfaltigen Rocke, und den jugendlichen Buſen, auf welchem eine reiche goldene Kette glaͤnzte. Unter dem zierli⸗ chen Hute mit weißen Federn, der die heitere Stir⸗ ne deckte, floß die Fülle blonder Locken am Hals

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* 5. 8 5

**) Dieß geſchah 1518, nach der Zeit, worein dieſe Ge⸗ 5 ſchichte verlegt wird.