aber ſchwerlich kann ein fluͤchtiger Reiſender ſo genau wiſſen, was in den Frauenbaͤdern in Athen vor⸗
geht. Hoͤchſtens vom Hoͤrenſagen. Der bloße Ver⸗
ſuch, in jenes Heiligthum einzudringen, koͤnnte einen
Mann in Lebensgefahr ſetzen. Dodwell erzaͤhlt*)
uns ein merkwuͤrdiges Beiſpiel davon. Der Disdar,
oder tuͤrkiſche Befehlshaber der Burg(Akropolis) zu
Athen, hatte einſt den Einfall, ſich in dem Frauen⸗
bade zu verbergen, und, wie ein neuer Aktaͤon, ſein
unheiliges Auge an den Reizen der jungen Weiber
zu weiden, die ſich arglos vor ihm enthuͤllten. Der
unbeſonnene Beobachter wurde jedoch bald entdeckt. Ein Schrei des Entſetzens wiederhallte in dem Ge⸗
woͤlbe des Badezimmers. Der unverſoͤhnliche Schimpf
ward alsbald den wuͤthenden Ehemaͤnnern bekannt,
und der zitternde Disdar mußte in der Burg Zuflucht ſuchen. Aber auch hier war er nicht ſicher; er mußte
nach Aegina, endlich nach Hydra fliehen, und
erſt ſpaͤter, als er ſich viele Monate lang in einem
katholiſchen Kloſter in Athen verborgen hatte, ge⸗
lang es ihm, Frieden zu ſchließen, worauf er ſeine
Befehlshaberſtelle wieder uͤbernahm. Es gibt jedoch, außer dem unmaͤßigen Gebrauche der Baͤder, noch andre Urſachen des ſchnellen Ver⸗
*) In dem oben angefuͤhrten Werke.


