3.
Der Schulmeiſter Martin Heller, den wir ſo eben kennen gelernt haben, hatte zwei Toͤchter, welche von der Natur, die ſich weder an Stand noch Reichthum kehrt, nicht ſtiefmuͤtterlich behan⸗ delt worden waren. Sie ſtrahlten in ſeinem nie⸗ dern Schulhaͤuschen mit einer Schoͤnheit, wie ſie ſich Prinzeſſinnen wohl wuͤnſchten und waren da⸗ neben mit andern gar lieblichen Talenten begabt. Dabei ſahen ſich Beide in keiner Hinſicht aͤhnlich. Die Aeltere, Luiſe, war braun und klein, und liebte das ſtille Loos, das ihrer wackern Mutter zu Theil geworden war, einen nicht gar zu brummigen Mann und einen eigenen Herd; die Juͤngere, Doris, war ſchlank und blond, und dieſe ward ſchon von groͤßerer Hoffaͤrtigkeit beſeſſen. Dabei hatte es dem Schoͤpfer gefallen, ihre Kehle ſo zu organiſiren, daß ein lieblicher Wohllaut in derſelben wohnte und bald ſprach man nicht nur im Dorfe, ſondern ſogar im Schloſſe davon, wie ſo gar lieb⸗ lich Schulmeiſters Tochter Abends in der Geis⸗ blattlaube: 4
„Als Doris, die reizende Schoͤne,
„Den Vorzug der Freiheit verlor,“ und die neuere Arie:
„Philint ſtand juͤngſt vor Babets Thuͤx“ zu ſingen pflegte.


