Tage, als die Wogen des Glücks am ungeſtümſten tobten.
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„Auch ich muß wandern, ſagte ſie halb träumeriſch,
während ſie ſich noch immer Mühe gab, den Ring vom
Finger zu bringen.„Wie ich ſehe,“ bemerkte ſie lächelnd,
„muß ich Ihnen ein anderes Andenken geben— dies will nicht von mir fort.“ G „So geben Sie mir es dort, wo es iſt,“ rief ich. „Ja, Marie, die Anhänglichkeit eines Herzens, das ganz Ihnen gehört, ſollte nicht unbelohnt bleiben. Ihnen ver⸗ danke ich Alles, was mein Leben von Glück gekannt hat,
der Erinnerung an Sie jede hochſtrebende und edle Hoff⸗
nung. Laſſen Sie mich, nachdem ich Jahrelang dieſe Nei⸗ gung gehegt, nicht den Leitſtern meines Daſeins verlieren — das nicht verlieren, wofür ich gelebt habe— was allein ich liebe.“.
Dieſen Worten, die mit all der leidenſchaftlichen Energie, die der letzte Hoffnungsſchimmer einflößt, hervor⸗ ſtrömten, folgte die Geſchichte meiner lange verborgenen Liebe. Ich weiß nicht, wie unzuſammenhängend ſie erzählt wurde; ich kann nicht ſagen, wie oft ich meinen eigenen Bericht durch irgend eine Berufung auf die Vergangenheit — durch irgend eine halb angedeutete Hoffnung unter⸗ brach, ſie habe die Leidenſchaft bemerkt, die in mir glühte; ich kann mich nur auf das Entzücken beſinnen, welches meinen Buſen zu zerſprengen drohte, als ſie ihre Hand in die meinige legte und ſagte—„Sie gehört Ihnen.“
Dieſe Worte endigten die Geſchichte eines Lebens, das mancherlei Prüfungen ausgeſetzt war, und zwar in einem Alter, in dem wenige den Kümmerniſſen der Welt ge⸗ trotzt haben. Die Lehren jedoch, welche ich mir eingeprägt hatte, waren die Ergebniſſe jener Schule, Unglück, in der Wenige fruchtloſen Unterricht empfangen; und wenn auch der Morgen meines Lebens düſter umwölkt anbrach, ſo war der Mittag doch nicht weniger friedlich und hell, und der Abend nähert ſich mit dem Anſchein ſtiller Ruhe, die reichlichen Erſatz bringt für jede Fährlichkeit jener erſten


