8
271
tief. Es bleibt mir nur noch übrig, Ihnen dieſes Billet zu geben, das ich verſprach, Ihnen einzuhäͤndigen, im Falle Sie das Anerbieten des Prinzen ablehnen.“
Hoch erröthend gab er mir ein kleines verſiegeltes Billet in die Hand, druckte ſie ſchnell, als ob es ihn drängte, fortzukommen und verließ das Zimmer..
Von Neugierde geſtachelt, den Inhalt des Brieſchens kennen zu lernen, riß ich es auf der Stelle auf, allein erſt, nachdem ich es einige Mal uberleſen, konnte ich den Worten trauen, die ich vor mir ſah. Es waren nur we⸗ nige und ſie lauteten folgendermaßen:
„Lieber Herr— Darf ich Sie bitten, mich dieſen Abend im Hotel Grammont mit einem Beſuche zu be⸗ ehren?⸗ Ihre ergebene
Marie d' Auvergne, geborene de Meudon.
„An Oberſt Burke.“
Wie oft überlas ich dieſe Zeilen— mir legte ich ſie bald als Vorboten einer Zukunft voll Hoffnung aus, und fürchtete bald, ſie möchten jeden Strahl derſelben für immer verloͤſchen. Eine Erklärung drang ſich mir fortwährend auf und peinigte mich in tiefſter Seele. Ihre ganze Fa⸗ milie war royaliſtiſch geweſen. Bloßer Zufall hatte in der Jugend ihren Bruder zum Heere und ſie an den kai⸗ ſerlichen Hof gebracht, wo perſönliche Anhänglichkeit an die Kaiſerin ſie feſthielt. Wie wenn ſie ihren Einfluß an⸗ wenden würde, um mich zur Annahme des gänzlichen Anerbietens zu beſtimmen? Wie konnte ich einem An⸗ ſuchen, vielleicht einer Bitte von ihr widerſtehen? Je mehr ich darüber dachte, deſto mehr wurde mir dieſe Vermuthung zur Gewißheit, und deſto ſchmerzlicher be⸗ klagte ich meine von ſolchen Schwierigkeiten umgebene Stellung; ſo heiß ich auch den Augenblick erſehnte, wo ich ſie wieder ſehen würde, ſo miſchte ſich in dieſes Verlangen doch Furcht, die Zuſammenkunft kaämnte unſere letzte ſein.


