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Feſſeln geſchlagen— ſein Monarch ein Flüchtling, Nie⸗ mand wußte, wo. 3
Die, welche das Standbild Friedrichs des Großen auf⸗ richteten, dachten wohl nicht, daß jemals franzöſiſches Waffengeklirre um daſſelbe gehoͤrt werden würde. Roßbach war wrklich gräßlich gerächt.
Niemals hat ſich ein Volk im Unglück würdiger be⸗ nommen, als die Preußen beim Einzuge der Franzoſen in ihre Hauptſtadt. Die Straßen waren verödet, die Häuſer geſchloſſen, die Stadt trauerte, keiner erniedrigte ſich zu ſllrviſcher Schmeichelei, um die Gunſt des Eroberers zu gewinnen. Es war ein Triumphzug— der keine Zeugen hatte. Vom Adel war faſt niemand in Berlin geblieben. Sie waren in der Schlacht gefallen oder folgten dem Schickſal ihrer geſchlagenen Armee, die durch das König⸗ reich zerſprengt und zerſtreut war.
Ihre Frauen und Töchter beweinten in tiefſter Trauer ihr zu Grunde gerichtetes Land, wie ſie den Tod ihres liebſten Freundes beklagt haben würden. Sie ſchnitten ihre blonden Locken ab und trauerten hoffnungslos. Ihr mäch⸗ tiges Land ſollte zum Range einer einfachen deutſchen Provinz herabgewürdigt— ihre Armee aufgelöst— ihr Koͤnig entthront werden. Das war der Gegenſatz unſeres Triumphes— die trübe Kehrſeite der prunkenden Schau⸗ ſtellung unſerer bewaffneten Schwadronen.
Kaum hatte der Kaiſer ſein Hauptquartier in Pots⸗ dam aufgeſchlagen, als die ganze Verwaltung des König⸗ reichs unter franzöſiſche Leitung geſtellt wurde. Präfekte wurden für verſchiedene Departements des Landes ernannt — dem Volke eine ſchwere Steuer auferlegt, alle Staats⸗ ämter der Controle von Perſonen unterworfen, die der Kaiſer ernannte. Das Poſtamt war darunter das wich⸗ tigſte; denn während alles Mögliche gethan ward, damit im gewohnten Poſtlaufe keine Unterbrechung entſtehen könne, ward zugleich ein„Cabinet noir“ wie in Paris errichtet, deſſen Geſchäft es war, die Briefe verdächtiger Perſonen


