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Stärke und Ausrüſtung zu erforſchen von Wichtigkeit war. Als wir aufbrachen, waren unſere Pferde noch vom vorigen Tage ermüdet, wir hatten eine harte Tour von Rhemanieh her, durch eine furchtbare Wüſte im heißen Sand und ohne Waſſer gemacht. General Bonaparte aber glaubte, wir ſollten ausholen, als ob wir friſch remontirt worden wä⸗ ren; wir thaten unſer Möglichſtes und biſſen uns heraus, ſo gut wir konnten. Wir waren noch nicht anderthalb Meilen geritten, als wir bemerkten, daß der ſtarke Schritt des Generals mehr als die Hälfte der Bedeckung zurück⸗ gelaſſen hatte, und von vier Schwadronen waren nicht über zwanzig Reiter gegenwärtig.
„Der Kaiſer— er war damals, wie ihr wißt, blos General, es kommt aber Alles aufs Nämliche heraus— lachte herzlich, auf Koſten unſerer armen keuchenden Thiere, denen alle Glieder zitterten und die ihre dürren, mageren Knochen durch die Decken ſtoßen zu wollen ſchienen, mit denen wir ſie aus Scham über ihr elendes Ausſehen zu ver⸗ hüllen pflegten; doch der Spaß dauerte nicht lange, denn gerade jetzt flog hinter den Mauern einer alten Tempel⸗ ruine hervor wie der Blitz eine ganze Ladung Musketen⸗ ſchüſſe mitten unter uns— ein Wunder iſt's, wie nur Ei⸗ ner davon kam; im nächſten Augenblick ſahen wir etwa fünfzig Mameluken, von Gold ſtrotzend, mit wildem Hurrah auf ihren Arabern auf uns zuſprengen. Tauſend Donner! was war da zu thun? nichts werdet ihr ſagen, als davon zu laufen und das hätten wir auch gethan, wenn die Be⸗ ſtien gewollt hätten, aber keine Rede davon, ſie konn⸗ ten keinen Galopp einſprengen, ſelbſt wenn Murad⸗Bey⸗ mit ſeiner ganzen Armee da geweſen wäre, und ſo machten wir gute Miene zum boͤſen Spiel, ſtellten uns quer über den Weg auf und thaten, als ob wir angrei⸗ fen mallten. Die Türken waren verdutzt, hielten raſch an und guckten herum, um zu ſehen, wo denn die Infanterie oder das Geſchütz ſei, die uns zu Hülfe kommen ſollte, ſo keck ſtanden wir da.
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