wirklich gehindert haben, und ich ſah, daß hier, wie bei Auſterlitz, der Tag der Infanterie gehörte. Wir kletterten die Anhöhe hinauf und erreichten end⸗
lich den Berggrat, wo ſich uns ein Anblick darbot, der alles Großartige, was ich bis jetzt im Kriege geſehen,
bei Weitem übertraf. Auf einem weiten Tafellande, deſſen Oberfläche leichte, wellenförmige Erhöhungen zeigte, war das ganze preußiſche Heer in Schlachtordnung aufgeſtellt — eine prachtvolle Streitmacht von beinahe dreißigtauſend Mann Infanterie, die Flanken durch zehntauſend Klingen der ſchönſten Kavallerie in Europa gedeckt. In Folge eines unbeſchreiblichen taktiſchen Fehlers hatten ſie dem Erſteigen des Berges durch die Franzoſen kein anderes Hinderniß entgegengeſtellt, als die plänkelnden Truppen, die bei unſerer Ankunft zurückwichen; auch jetzt noch ſchie⸗ nen ſie des Feindes Aufſtellung geduldig zu erwarten, ehe der Kampf beginnen ſollte. Als unſere Kolonnen auf dem Gipfel des Hügels waren, deployirten ſie ſogleich, um das Vorrücken der Nachfolgenden zu decken; doch dieſe Vorſicht ſchien nicht nothwendig, denn am äußerſten linken Flügel, ausgenommen, wo wir früher das Feuer hörten, bewegte ſich im preußiſchen Heer kein Mann, und man ſchien dort auch nicht zum Angriff geneigt.
Es war jetzt neun Uhr; der klare und wolkenloſe Himmel eines ſchönen Herbſttages geſtattete dem Auge meilenweit herumzuſchauen. Die preußiſche Armee, nur vierzigtauſend Mann ſtark, war in einem Halbkreis auf⸗ geſtellt, deſſen Woͤlbung unſerer Fronte zugewendet war, während unſere Truppen, neunzigtauſend an der Zahl, ihre beiden Flanken überflügelten und ſich weit über ſie ausdehnten.
Die Schlacht begann mit dem Vorrücken franzöſiſcher Kolonnen und dem Rückzuge des Feindes; beide Bewe⸗ gungen wurden ohne einen Schuß abzufeuern, ausgeführt und das Ganze ſchienen die Manöver eines Muſterungs⸗ tages zu ſein.


