das Fernglas am Auge, Berthier einen Wink geben ſah, näher zu kommen. Ich wendete mich gegen die Straße und entdeckte nun in der Ferne einen dunklen Gegenſtand, der ſich auf uns zu bewegte. Einige Minuten ſpäter fiel die Sonne darauf und ich gewahrte den Schimmer von Waffen, die ſich in einer langen Linie ausdehnten, während mein Gefährte ein Glas zu Hülfe nahm und ausrief:
„Ich ſehe ſie deutlich— es ſind Lanciers; die Be⸗ deckung bilden Ungarn und dort vorn iſt eine vierſpännige Kaleſche.“
Der Kaiſer ſtand bewegungslos, die Arme über die Bruſt gekreuzt und den Kopf etwas vorwärts gelehnt, gerade wie ich ihn ſo oft durch Maler und Bildhauer dargeſtellt geſehen habe— er ſah zu Boden, und wie er ſo das brennende Holz mit dem Fuße aufſtörte, konnte man leicht gewahr werden, in welch tiefe Gedanken ſein Geiſt verſunken war. Das Getrappel von Reiterei zog
meine Aufmerkſamkeit auf eine andere Seite und ich er⸗
blickte gerade uns gegenüber, in einer Entfernung von etwa fünfhundert Schritten, ein Regiment ungariſche Huſaren und einige Schwadronen Uhlanen aufgeſtellt. Es blieb mir wenig Zeit, ihre prachtvolle Rüſtung, und glänzende Unifor⸗ men zu betrachten, denn bereits hielt die Kaleſche an der Straßenſeite und Fürſt Johann von Lichtenſtein verließ die⸗ ſelbe, zog ſeinen Hut und half einem andern Herrn aus dem Wagen. Langſam und dem Anſcheine nach mit An⸗ ſtrengung ſtieg eine ſchlanke magere Geſtalt, in der weißen Uniform der öſterreichiſchen Garde, aus. Im nämlichen Augenblick zogen ſich die Offiziere vom Stab zurück und ich ſah Napoleon mit offenen Armen vortreten, um den Ankömmling zu umarmen. Der öſterreichiſche Kaiſer, denn Franz war es ſelbſt, ſchien kaum im Stande, ſeine Bewe⸗ gung zu bezwingen; wir waren Zeugen, wie ſein Haupt einige Sekunden auf Napoleons Schulter lehnte— und was für Sekunden müſſen dies geweſen ſein! Wie tief mußte der Stolz des Sprößlings der Cäſaren die Demü⸗


