31
zuzuſehen ſchien; dann nahm er ſein Fernglas und über⸗ blickte einige Minuten aufmerkſam die Straße nach Hollitſch.
Sogleich folgten Aller Augen dieſer Richtung, aber wir konnten nichts ſehen. Die Straße führte einige Mei⸗ len durch weites offenes Land und verlor ſich endlich in einem dunkeln Fichtenwald, der auf beiden Seiten den Ge⸗ ſichtskreis meilenweit begränzte.
Inzwiſchen ſchritt Napoleon, die Hände auf dem Rü⸗ cken, neben den flackernden Feuern auf und nieder, ſtand zuweilen ſtill, um die Straße entlang zu ſchauen und ſetzte dann ſeinen Gang wieder fort. Er war nicht mehr als zwei hundert Schritte von mir entfernt und ich konnte ge⸗ nau bemerken, mit welch ungeduldiger Geberde er ſein Fernglas jedesmal zumachte, wenn er vergebens gegen Hol⸗ litſch geblickt hatte.
„Hören Sie einmal, Burke,“ flüſterte mir einer mei⸗ ner Mitoffiziere zu,„ich möchte nicht der ſein, welcher ihn ſo warten läßt. Sehen Sie dort Berthier, wie er auf⸗ paßt; er weiß, daß etwas im Anzug iſt.“
„Was kann dies Alles bedeuten?“ ſagte ich.„Wen mag er hier erwarten?“
„Man behauptet,“ erwiderte leiſe mein Gefährte, „Davouſt koͤnne die Brücke von Göding nicht halten und müſſe ſich vor den Nuſſen zurückziehen; Napoleon aber habe Alexander zu einer Zuſammenkunft hier eingeladen, um zur Verſtärkung Davouſts Zeit zu gewinnen.“
„Ganz recht— allein der Czaar iſt ein zu ſchlauer Feind, als daß dieſe Liſt gelingen könnte und wahrſchein⸗ lich kommt daher die Verzogerung, über die er jetzt zu zürnen ſcheint.“
Dieſe Vermuthung war zwar glaubwürdiger als die meiſten, die ich früher gehört hatte, ſtand jedoch in Wider⸗ ſpruch mit der Nachricht von Kaiſer Aleranders Rückzugz und ich war abermals im Zweifel, wie ich dieſe verſchie⸗ denen Gerüchte zuſammenreimen ſollte, als ich Napoleon,


