Teil eines Werkes 
4., Tom Burke : ein Roman aus der napoleon'schen Zeit : 10.-12. Bändchen (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

thigung fühlen, auf dieſe Weiſe als Bittender vor einem Mann zu ſtehen, den er für einen bloßen corſiſchen Aben⸗ teurer hielt! Welche Pein mochte ſein hochmüthiger Geiſt ausgeſtanden haben, als er die Worte ſprach:Mein Bruder!

Als ſie neben einander der Erhöhung zu gingen, wo die Feuer brannten, konnte man leicht bemerken, daß Na⸗ poleon der Sprecher war, während ſich Franz nur von Zeit zu Zeit verbeugte oder durch Geberden ſeine Zuſtim⸗ mung auszudrücken ſchien.

Als der Kaiſer auf dem für die Unterredung beſtimm⸗ ten Platze anlangte, entfernten wir uns etwa hundert Schritte weit, und obgleich die Luft ruhig und kalt war und ringsherum völlige Stille herrſchte, ſo konnten wir doch von keinem ein Wort vernehmen. Nach einer Stunde ungefähr ſchien das Geſpräch in einen heitern und launi⸗ gen Ton überzugehen, und wir hörten die Herrſcher wie⸗ derholt lachen. 3

Die Verhandlung währte über zwei Stunden, worauf

ſich die beiden Kaiſer, und zwar wie uns vorkam, mit größerer Herzlichkeit, umarmten und trennten. Der Kaiſer von Oeſterreich kehrte in Begleitung des Fürſten Lichten⸗

ſtein zurück, während Napoleon wie nachdenkend einige Mi⸗ nuten lang neben dem Feuer ſtand, dann ſeinem Stab zu folgen winkte und der Landſtraße zuging.

Kaum hatte der öſterreichiſche Kaiſer ſeinen Wagen erreicht, als Savary mit entblößtem Haupte und athemlos am Schlage deſſelben erſchien. Er überbrachte eine Bot⸗ ſchaft von Napoleon. Einen Augenblick darauf fuhr die Kaleſche ab, begleitet von Savary, der mit einem einzigen Adjutanten den Weg nach dem öſterreichiſchen Hauptquar⸗ tiere einſchlug. Als Napoleon im Begriffe war, ſein Pferd zu beſteigen, ſah ich General d'Auvergne ſich ihm nähern. Sie wechſelten einige Worte, dann ritt der General an mich heran und ſagte:Burke, Sie bleiben hier, und wenn

vom General Savary Befehle ankommen, ſo eilen Sie

Tom Burke. VV.. 3