überdachten Angriffe lag, bei dem jede Bewegung der an⸗ dern in künſtlicher Berechnung folgte, und ich gewahrte, daß er ſeinen Gegner manche kleine Vortheile gewinnen ließ, um ihm ein falſches Vertrauen einzuflößen, während er ſelbſt nur auf den rechten Augenblick wartete, um ihm ſeinen Theil mit Wucher zurückzuzahlen. In dieſer. Art fechten war er mir mehr als gewachſen. Ich war da⸗ gegen im Traverſiren⸗Meiſter, wobei die Meiſten aufs Ge⸗ rathewohl zuſtoßen; mochte dann der Spaß noch ſo ver⸗ worren ſein, ich blieb ſo kaltblütig wie beim Salutiren.
„Eine Zeitlang ließ ich ihn ſein Spiel fort ſpielen; man konnte auch wirklich nichts Schöneres ſehen, als ſeine Ausfälle uber das Heft. Zweimal ſtand die Spitze ſeines Degens nicht weiter als einen Zoll von meiner Bruſt ab, und nur ein Sprung rückwärts konnte mich retten.
„Nach lange zweifelhaftem Kampfe zeigte er endlich innere Quart an und ſtieß darauf eine äußere, und es ge⸗ lang ihm, meinen Arm oberhalb des Handgelenkes zu treffen.
„Nicht wahr, das ſaß? ſagte er.“
„Unbedeutend,“ erwiederte ich; denn obwohl ich fühlte, wie das Blut über meinen Aermel und zwiſchen den Fingern herabrann, ſo machte mir doch der Gedanke Verdruß, daß ihm der erſte Stoß gelungen war.
„Ahl Francois, dieſe Mammeluken ſcheinen nicht die beſten Fechter geweſen zu ſein. Bis jetzt habe ich nur geſcherzt,— paß einmal auf!“ Bei dieſen Worten drang er weit ſtärker auf mich ein, als bisher. Indem er mit Blitzesſchnelle zuſtieß und parirte, zeigte er eine Gewandt⸗ heit im Traverſiren, die ich ihm nicht zugetraut hätte. Darin jedoch war ich ſein Meiſter und in wenigen Augen⸗ blicken ſaß ihm die Spitze meines Degens ſcharf, aber nicht tief, in der Schulter.
„Statt daß er ſeine Waffe ſenkte, als ihn die mei⸗ nige traf, erwiderte er den Stoß. Ich parirte ihn und traf ihn noch einmal, ein wenig tiefer. Diesmal krümmte


