Sinn gehabt, unverſchämt zu ſein.““ Was für einen Lärm pflegte es dann zu geben und wie kaltblütig blieb Piecotin dabei— mit welcher ängſtlichen Gewiſſenhaftigkeit vermied er es, den Namen des Herrn unrichtig zu buchſta⸗ biren oder den Ton auf die falſche Sylbe zu legen— wie artig erkundigte er ſich um deſſen Adreſſe, als ob er für ſeine Neugierde um Verzeihung bitten wollte; mit welcher Höflichkeit empfahl er ſich dann und ging ein halb Dutzend Schritte hinter ſich, bevor er es wagte, dem Mann den Rücken zu kehren, den er am folgenden Morgen zu tödten ſich vorgenommen hatte!“
„Wahr— vollkommen wahr, Frangois,“ ſagte der Major,„Pieccotin benahm ſich bei der Sache mit der be⸗ wundernswürdigſten Ruhe und dem feinſten Anſtande.“
„Dieß war in unſerer Jugendzeit Ton in Chalons,“ bemerkte Frangois ſtolz;„er und ich wurden zuſammen auferzogen. Nach dieſer befriedigenden Erklärung leerte er einen Becher Wein und blickte mit der Miene eines Er⸗ oberers um ſich.
„Piecotin ſah mich zu gleicher Zeit und eine Minute nach her lagen wir einander in den Armen.„Ha, mein Lieber, wie viele?“ begann er, als der erſte Freudenrauſch vorüber war.„Bloß achtzehn,“ ſagte ich traurig, aber zwei davon waren Mammeluken von der Garde.“
„Du haſt immer Glück gehabt, Francois,“ erwiederte er und trocknete gerührt ſeine Augen; mir ſind immer nur Chriſten aufgeſtoßen!“
„Komm, komm,“ tröſtete ich ihn,„ſei nicht niederge⸗ ſchlagen— es kommen jetzt beſſere Zeiten. Es heißt, der kleine Korporal werde uns bald nach England führen.“
„Meinetwegen,“ ſeufzte er betrübt, denn er konnte meine Türken nicht verwinden. Um ihn nun ein wenig aufzuheitern, ſchlug ich ihm ein Souper im rothen Gre⸗ nadier vor, und dahin gingen wir denn.
„Es würde Sie vielleicht unterhalten,“ fuhr Meiſter Francois fort,„wenn ich Ihnen einige jener Geſchichten


