21
„Ah, Ihr habt gut lachen,“ ſagte er halb grollend, „allein wie oft hängt eines Mannes Lebensglück von einem bloßen Zufall ab! Würde Junot dort jetzt Major⸗General ſein, wenn er nicht ohne ſeine Stiefel ſechs Fuß mäße? Wir gingen zuſammen in die Schule und meiner Treu! er war in der Klaſſe immer der letzte.“
„So, Francois, iſt alſo Deine, Geſtalt Deiner Be⸗ förderung im Wege geſtanden?“
„Freilich, wenn ein Mann nur fünf Fuß mißt, und noch dazu mit hohen Abſätzen, kann er blos zum Fecht⸗ meiſter vorrücken. Verdammt, was wäre ich jetzt, wenn ich nur ein bischen größer wäre?“
„Es iſt ſo beſſer,“ brummte ein alter Hauptmann, während er den Rauch aus ſeiner Meerſchaumpfeife bliesz „wären Sie nur einen Zoll größer, ſo könnte man mit ihnen in der nämlichen Brigade nicht leben.“
„Bei alledem,“ erwiederte Meiſter Frangois, habe ich manchen hübſchen Kerl ſeiner ganzen Länge nach auf das Gras hingeſtreckt.“
„Wie viele Duelle, Francois, haſt Du Deiner neuli⸗ chen Erzählung zufolge im zweiundzwanzigſten Regiment gehabt?“
„Achtundſiebzig!“ antwortete der kleine Mann— „zwei Paukereien ungerechnet, die, ich ſchäme mich es zu geſtehen, mit dem Säbel geſchahen; aber es waren Burſche aus dem Elſaß und ſie verſtanden es nicht beſſer.“
„Donner und Wetter!“ rief der Major,„ein kleiner Teufel, wie der, iſt eine wahre Peſt in einem Regiment. Ich erinnere mich, wir hatten einen Burſchen Namens Piccotin—
„Ahl Piecotin— der arme Piecotin— wir waren Milchbrüder,“ unterbrach ihn Frangois,„wir waren Beide von Chalons⸗ſur⸗Marne.“
„Ja wohl, ich hätte geſchworen, daß Ihr es wäret,“ erwiederte der Major.„Man hätte Euch für Zwillinge halten koͤnnen.“..


