Teil eines Werkes 
2., Tom Burke : ein Roman aus der napoleon'schen Zeit : 4. bis 6. Bändchen (1845)
Entstehung
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ſchlang, oder eine liebende Mutter ihren Sohn an ihre Bruſt drückte und ſein Auge küßte, ſo ſtahl ſich manchmal eine Thräne über meine Wange und ich

eilte in mein Zimmer, wo ich die Thüre verſchloß,

mich hinſetzte und nachdachte, bis mein trauriges Herz

müde war oder bis meine ſtärkere Natur erwachte,

bis ich mich aufraffte, an meine Studien ging und

alles Andere vergaß. Inzwiſchen machte ich reißende

Fortſchritte; die ununterbrochene Richtung meiner Ge⸗ danken gab mir einen entſchiedenen Vortheil über die Aadern, und lange vor der regelmäßigen Periode war der Tag für meine Schlußprüfung angeordnet. Welchen dauernden Eindruck hinterlaſſen nicht ei⸗ nige Abſchnitte des Jugendlebens! Wie wohl erinnere ich mich noch jetzt— und⸗doch, wie viele Jahre find ſchon vorüber— all' der Hoffnungen und Aengſten, die mein Herz bewegten, als der Tag nahe kam; wie ſprang ich jeden Morgen mit Sonnenaufgang empor, um über eines der Bücher herzufallen, welche die Ge⸗ genſtände der Prüfung bildeten; wie lag ich oft ſchon, wenn kaum die graue Dämmerung anbrach, über den Seiten Vauban's und über den Berechnungen Carnot's, und mit welchem ſinkenden Muthe fand ich oft, daß eine Nacht alle Frucht einer langen Tages⸗Arbeit ver⸗ wiſcht zu haben ſchien und daß der Gewinn meines hart angeſtrengten Verſtandes mir entgangen war; dann aber kam doch, wie hergezaubert, der verlorene Gedanke zurück, mein Gehirn wurde klar, und alle undeutlichen, dunklen Begriffe nahmen eine feſte, faß⸗ bare Wirklichkeit an. In ſolchen Stunden ſtieg mein Muth, eine bis an den Wahnſinn grenzende Fröhlich⸗ keit hob mich beinahe in die Höhe, ein frohes Geſühl pochte in jedem Puls, und da gab es Nichts, das ich nicht gewagt, keine Gefahr, der ich nicht getrotzt hätte. Dies waren die Glanzſeiten meiner damaligen Knaben⸗

zeit und dies das Temperament, das ſie meinem Man⸗

nesalter vermachte,