Zweites Kapitel. Die Flucht.
„Wird es Euch ſchwach?“ fragte Darby, als ich ihn hart anſtieß und zweimal oder dreimal nach Athem ſchnappte.„Blutet Ihr noch?“ war ſeine nächſte Frage, während er ſanft meine Wunde innerhalb des Ver⸗ bandes befühlte. Ich ſuchte etwas zu antworten, er
aber gab nicht Acht darauf⸗ ſondern bückte ſich, lud
mich auf ſeine Schulter und ſchritt nun ſchneller aus als zuvor, indem er den beſuchteren Fahrweg verließ und in eine enge, dunkle Gaſſe ging, die von keiner ein⸗ zigen Lampe beleuchtet war. Trotz ſeiner Elle hielt er mehr als einmal inne, als ſuche er einen beſtimmten Platz, den er aber in der Finſterniß nicht entdecken konnte.„O, heilige Mutter!“ murmelte er,„das Blut dringt bis auf meine Haut! Mr. Tom, lieber Her⸗ zenstom, redet doch, redet doch, nur ein Wort!“ Aber obgleich ich jedes Wort deutlich hörte, konnte ich doch keines herausbringen— eine traumhafte Betäubung lag über mir und ich wünſchte nichts als Ruhe. „Dies muß es ſein— ja, hier iſt's,“ ſagte Darby, indem er mich ſanft auf die ſteinerne Schwelle der Thüre niederlegte und mit ſeinen Knöcheln laut an⸗ klopfte. Sein Ruf, obwohl drei bis vier Mal wieder⸗ holt, wurde nicht beachtet, und obſchon er laut genug klopfte, um die Nachbarſchaft in Allarm zu bringen, ſo kam doch Niemand— die einzigen Töne, die wir hören konnten, waren die entfernten Laute eines Trinkliedes,
gemiſcht mit wildem Gelächter und noch wilderem
Angſt⸗ und Wehgeſchrei. „Hier ſind ſie endlich,“ ſagte Darby, indem er mit einem ſchweren Steine faſt die Thüre einſtieß.


