gelungen; aber leider hatte an ſeinem Todestage Ma⸗ jor Barton ſie weggenommen, und ich hatte ſie ſeither nie wiedergeſehen.
Während ich dieſe Gedanken hin und her erwog, hörte ich die muntere Stimme eines Mädchens, das, wie es ſchien, in demſelben Zimmer, wo ich war, ſang. Ich fuhr auf, ſah um mich und bemerkte jetzt, daß, was mir die Nacht vorher wie ein Vorhang vorge⸗ kommen, nichts mehr und nichts weniger war, als ein großes Flickwerk, das quer durch die ganze Dachſtube hing, hinter welchem die fraglichen Töne hervorkamen. Sowohl aus der Melodie als der Stimme ging her⸗ vor, daß ſie keine Magd ſein konnte; und einigerma⸗ ßen neugierig, von meiner ſchönen Nachbarin mehr zu entdecken, ſtand ich leiſe auf, ſchlüpfte in meine Klei⸗ der und näherte mich ſachte der Grenze meines Ge⸗
ietes.
Dann und wann wurde der Geſang der Dame durch ungeduldige Ziſchtöne und Verwünſchungen auf eine zerriſſene Schnur mitten in dem Liede„Ha, wollt Ihr mich heirathen, theurer Alley Croker,“ unterbro⸗ chen. Ich guckte über den Vorhang, und erblickte die Geſtalt eines jungen, ſtarken, hübſchen Mädchens, das eifrig an ſeiner Schnürbruſt arbeitete, eine Beſchäfti⸗ gung, die ſowohl das Rauſchen der Bänder, als auch die von Zeit zu Zeit fallenden ärgerlichen Worte er⸗ klärten. In der Bewunderung meiner ſchönen Nach⸗ barin vergaß ich ganz, wie gefährlich meine Neugierde war; denn ihre geſchmeidige Geſtalt, um nichts weni⸗ ger reizend durch die Kürze ihres Rockes, zeigte ſich mm vortheilhafteſten Lichte, wenn ſie ſich in ihren Be⸗ mühungen, das widerſpenſtige Leibchen zu ſchnüren, bald rechts bald links bog. Eine Maſſe reicher brau⸗ ner Haare, worauf die Sonne ſpielte, fiel ihr über Nacken und Schultern und verdeckte zum Theil ihre runden, wohlgeformten Arme, die ſich geſchäftig bogen und wandten.


