Das lange, niedrige Geſellſchaftszimmer war mit Leuten angefuͤllt, von denen ich vorher nur wenige geſehen hatte. Sie hatten ſich in kleine Gruppen ge⸗ bildet, fröhlich mit einander ſchwatzend, während ſie in Eile ein Frühſtück nahmen. Tafel und Nebentiſche waren mit einer Verſchwendung gedeckt, wie ich vor⸗ her nie geſehen hatte. Weinflaſchen gingen friſch von Hand zu Hand; und obgleich die Stimmen ſich eini⸗ germaßen dämpften, als ich in ihrer Mitte erſchien, ſah ich mich doch vergebens nach einem Zug von Trauer für den Todten oder auch nur von Achtung für ſein Andenken um. 3—
Als ich in dem Wagen neben dem Anwalt mei⸗ nen Platz nahm, legte ſich auf mich eine Art träume⸗ riſcher Fühlloſigkeit, und ich wußte kaum, was vorgingn⸗ Ich erinnere mich nur des ſchrecklichen Gefühles der Furcht, womit ich vor ſeinem einzigen Verſuche, mich zu tröſten, zurück ſchauderte und der abgebrochenen Weiſe, wie er davon abſtand, um ſeine Unterhaltung mit dem Doktor fortzuſetzen. Wie krank fühlte ſich mein Herz, als wir dem Kirchhof näher kamen, und ich das weit offen ſtehende, uns erwartende Thor er⸗ blickte. Die düſteren Geſtalten mit ihren ſchwarzen Trauermänteln bewegten ſich langſam über den Schnee, gleich Geiſtern aus einer nächtlichen Welt, während die Todtenglocke in meine Ohren gellte, ſo daß ich am ganzen Lelbe zuſammen ſchauderte.
„Was ſoll aus dem zweiten Knaben werden?“ ſagte der Geiſtliche mit wiſperndem Tone, der aber ſeltſamer Weiſe tief in mein Ohr eindrang.
„Darauf kommt wenig an,“ verſetzte Baſſet noch leiſer: neinſtweilen geht er mit mir heim. He, Tom, Du kommſt heute mit mir.“
„Nein,“ ſagte ich kühn,„ich gehe wieder heim.⸗
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