ſogar mein Traum ſteht noch vor mir. Er bewegte
ſich um meine Mutter. Ich dachte an ſie, wie ſie in
dem alten Beſuchzimmer auf dem Sopha lag, bei of⸗ fenem Fenſter und geſchloſſenen Jalouſien, mit denen die lieblichen Lüfte eines Juni⸗Morgens ſpielten, wäh⸗ rend ich neben ihr kniete, um mein kleines Lied zu wiederholen, das erſte, das ich in meinem Leben ge⸗ lernt hatte;— wie dann jeden Augenblick meine Au⸗ gen und Gedanken ſich jenem offenen Fenſterflügel zu⸗ wandten, durch welche ſich Blumenduft und Vogelge⸗ ſang ergoß; und mein kleines Herz ſchmachtete nach Freiheit, während ihr holdes Lächeln und ihre ſanften Worte mich baten, zu bedenken, wo ich ſei. Dann ſteuerte ich fort durch den alten. Garten, wo das Son⸗ nenlicht nur ſparſam durch die dichtbelaubten, mit duf⸗ tenden Blüthen beladenen Aeſte drang: Amſeln hüpften furchtlos von Zweig zu Zweig, ihre hellen Töne mit dem ſanften Säuſeln der Blaͤtter und dem dumpfen Geſumme der Bienen miſchend. Wie glücklich war ich da! Und warum kann ſolches Glück nicht dauernd ſein? Warum können wir uns nicht ſchirmen vor der gemeinen Befleckung weltlicher Sorgen, und unter Freuden leben, ſo rein als dieſe, mit Herzen ſo heilig und Wünſchen ſo einfach, als in der Kindheit?
Plötzlich wechſelte mein Traum ſeine Geſtalt, fin⸗
ſteres Gewölke begann ſich von allen Seiten zu ſam⸗ meln und ein dumpfer, klagender Wind kroch ſchwer am Boden dahin. Es war mir, als hörte ich meinen
Namen rufen. Ich fuhr auf und erwachte. Ein paar Sekunden lang war die Täuſchung ſo ſtark, daß ich
mich nicht erinnern konnte, wo ich war; aber bei dem
grauen Lichte des anbrechenden Morgens, das durch die halboffenen Läden ſiel, erkannte ich die beiden Fi⸗ guren nahe am Feuer. Sie genoßen beide eines ge⸗ ſunden Schlafes, wenigſtens bewies ihr tiefes Athmen und ihre nickenden Köpfe die Schwere ihres Schlummers.
In meinen Gliedern fühlte ich Kälte und Krämpfe,
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