33³3⁰
wo der Kampf am heißeſten getobt hatte. Ich wandte meine Augen da und dorthin, konnte aber nirgends mehr Leben entdecken. In allen Stellungen des Todeskampfes lagen ſie umher, einige unter ihren Pferden begraben, andere in Blut gebadet, wieder andere mit geballten Händen und herausgetriebenen Augen; aber Alles war ſtill: kein Wort, kein Seufzer, kein Aechzen ließ ſich vernehmen. Ich wandte mich ab, um den Ort zu ver⸗ laſſen, und ungewiß, wohin ich meine Schritte lenken ſollte, ſchaute ich mich noch einmal um, als mein Blick auf die marmorblaſſen Züge eines Mannes fielen, der auch in dieſem Augenblick der Ungewißheit, nicht zu ver⸗ kennen war. Seinen weit aufgeriſſenen Rock hielt er mit beiden Händen; ſeine Bruſt war von Kugeln zer⸗ ſchmettert und von Blut überſtrömt. Zerfetzt und zer⸗ riſſen wie er war, zeigte ſich dennoch auf ſeinem Geſichte keine Spur von Leiden; kalt, bleich, bewegungslos lag er mit dem ruhigen Ausſehen eines Schlafenden da; ſeine Augenlider waren geſchloſſen und ſeine halb geöffneten Lippen ſchienen noch zu beben. Ich kniete neben ihm nieder und ergriff ſeine Hand; ich beugte mich über ihn und flüſterte ſeinen Namen; ich legte meine Hand auf ſein Herz, das Blut hatte noch Wärme, aber er war todt.— Armer Hammersley! er war ein edler, wackerer Mann, und als ich ſeine blutige Leiche betrachtete, da fielen meine Thränen ſchnell und heiß über ſeine Wangen bei dem Gedanken, daß ich ſelbſt an der Vernichtung dieſes vielverſprechenden Lebens und an dieſem ſeinem Tode großentheils Schuld geweſen. 3
Hunderteinundzwanzigſtes Kapitel. Brüſſel.
Noch einmal muß ich meinen Leſer um Nachſicht bitten, wegen der Weitſchweiſigkeit einer Erzählung,


