38 fuhr fort:—„Nein, nein, er erwacht gewiß nicht; das hölliſche Klappern der Mühle iſt ja ſein Wiegen⸗
lied.“ „Aber Ihr Freund wird bald hier ſeyn, oder kommt er nicht?“
„Ah richtig, der arme Chärleye ich häͤtte ihn bei⸗
nahe vergeſſen. Beiläufig geſagt, Sie müſſen ſich nicht
in ihn verlieben. Nun, nun, ſehen Sie nur nicht gleich ſo böſe drein; ich meinte nur, er werde ſich ſterblich in Sie verlieben, und da ſollen Sie ihm nicht gar zu freundlich entgegenkommen.“
„Nun, was ſoll ich denn thun,“ fragte ſte mit lie⸗ benswürdiger Unbefangenheit.
„Darüber habe ich ſo eben nachgedacht. Erſtens darf er Sie nicht ſingen hören, zweitens darf er Sie nicht lächeln ſehen, und drittens müſſen Sie ihm ſo viel als möglich aus dem Wege bleiben.“
„Man ſollte faſt meinen, Senhor, alle dieſe Vor⸗ ſichtsmaßregeln gelten nicht ſowohl ihm, als mir. Iſt er denn wirklich ſo gefährlich?“
„Nein, Gott bewahre; er iſt allerdings ein recht hübſcher Junge, aber wirklich noch ein Junge und zwar ein verteufelt kecker. Es käme ihm nicht drauf an, durch dieſes Fenſter zu ſpringen und ſeine Arme um Ihren Hals zu ſchlingen, ſobald er Sie ſieht.“
„Es muß ein wunderlicher Menſch ſeyn, er wird mir gewiß recht gut gefallen.“
„Vielen Dank für Eure freundlichen Andeutungen, ich werde ſie mir ſogleich zu Nutze machen.“ Mit dieſen Worten ſtieg ich leicht auf das Geſimſe, ſprang mit einem Satz über den Muller weg, und bevor Power aufſtehen oder Margeritta ſich von ihrem Staunen erholen konnte, ſchloß ich das holde Kind in meine Arme und küßte ſie auf beide Wangen.
„Charley, Charley! Verdammter Burſche, das geht nicht an,“ rief Fred, während die junge Dame, augen⸗ ſcheinlich mehr uͤber ſeinen Aexger beluſtigt, als durch


