Teil eines Werkes 
14. bis 18. Bändchen (Schluß) (1846)
Entstehung
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18

Felde haben wir einander kennen gelernt; laſſen Sie uns jetzt ſehen, wie wir im Bivouac mit einander fertig werden.

Um mich nicht in Großmuth übertreffen zu laſſen, rief ich:Nun, ſo ſey es denn.

Fünf Minuten nachher ſaß ich mit ihnen am Feuer. Der Kapitän, der älteſte von ihnen, war ein ſchöner Mann von echt ſoldatiſchem Ausſehen und etwa vierzig Jahre alt: er hatte in der kaiſerlichen Garde alle Feld⸗ züge in Italien und Oeſterreich mitgemacht und wußte eine Menge Anekdoten über die franzöſiſche Armee zu 5 erzählen. Von ihm erfuhr ich manchen jener charakte⸗ riſtiſchen Züge, welche die kaiſerlichen Truppen vor allen andern ſo rühmlich auszeichnen, und ſah, wie ihre ſchönſten. kühnſten Waffenthaten auf der perſönlichen Tapferkeit ihres Feldherrn beruhten. Von Napoleons kecker Unternehmung bei Lodi bis zu dem Verhalten des niedrigſten Korporals in der grande armeée bietet das Gemälde Nichts als eine Reihe von glänzenden, ritter⸗ lichen Thaten, während zu gleicher Zeit der kriegeriſche Cvarakter der Nation ſich in inſtinktmäßiger Hochſchätzung des Muthes darthut, welche ſie lehrt, ihren Offizieren bis vor den Schlund der Kanonen zu folgen.

Bei Elchingen, ſagte der Kapitän,da hätten Sie unſere Leute ſehen ſollen. Das Regiment, bei welchem ich als Lieutenant ſtand, erhielt Befehl, eine geſchloſſene Colonne zu bilden, über eine enge Schlucht zu ziehen und eine Batterie wegzunehmen, die durch ein Flankenfeuer große Verheerung unter unſern Truppen anrichtete. Bevor wir den Weg erreichen konnten, mußten wir über eine offene Ebene marſchiren, die ſich etwa hundert Fuß tief ſenkte. Die Colonne drang vor und ſchritt einen Hügel hinab, aber nicht ein einziger Mann erreichte die entgegengeſetzte Anhöhe. Eine wahre Lawine von Kugeln ſauste durch das ganze Thal; aber inmitten von Dampf und Flammen, mitten unter dem Blutbad um ſie her marſchirten unſere Grenadiere feſten Schrittes