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vorwarts. Endlich ſchickte der Marſchall Ney einen Adjutanten mit dem Befehl, alle ſollen ſich platt nie⸗ derlegen, und ſo ſpielte die Artillerte mehr als eine halbe Stunde lang uber unſern Köpfen weg. Die Oeſterreicher ließen allmäͤhlig nach, und ſtellten ihr Feuer gänzlich ein. Dies war der Augenblick um den Angriff wieder zu beginnen. Vorſichtig erhob ich mich auf meine Kniee und blickte umher. Ein Wort verſammelte meine Leute um mich, aber denken Sie ſich mein Entſetzen als ich ſah, daß von den vierzehn hundert Mann nur noch fünfhundert übrig, und ich, ein bloßer Lieutenant, der älteſte Offizier im Regiment war. Unſer wackerer Oberſt lag todt zu meinen Füßen. Plötzlich kam mir ein Gedanke. Ich erinnerte mich, daß er in Augenblicken großer Gefahr die Gewohnheit gehabt hatte, eine kleine rothe Feder, die er gewöhnlich im Gürtel trug, auf ſeinen Tſchako zu ſtecken. Dieſe ſuchte ich jetzt und fand ſie auch wirklich. Kaum hielt ich ſie in die Höhe, als ein wahnſinniges Freudengeſchrei in der ganzen Linie ausbrach und die Offiziere wie toll ſich an die Spitze der Colonne ſturzten. Es war kein Marſch mehr, ſon⸗ dern mit lautem Nachgeſchrei ſtürmte die ganze Schaar vorwärts, und jeder ſuchte es dem andern vorzuthun. Gleich Tigern, die im Sprunge begriffen ſind, ſtürzten wir über den Feind her, der überwältigt und niederge⸗ metzelt wurde, ſo daß ganze Schaaren von Todten um ihre Kanonen herumlagen. Die Cavallerie der Garde donnerte hinter uns drein; eine ganze Diviſion folgte und 35⁰0 Gefangene, ſowie vierzehn Kanonen fielen in unſere Hände.
„Ich ſaß auf einem Kanonenwagen, mein Geſicht ſchwarz von Pulver und meine Uniform von Blut über⸗ ſtrömt; das Ganze kam mir vor wie ein entſetzlicher Traum. Auf einmal ſpürte ich eine Hand auf meiner Schulter und eine rauhe Stimme rief mir ins Ohr: „„Kapitän vom 6“9ſten, Du beſt mein Bruder.““ Es
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