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Strome, und da ſah ich jetzt deutlich einen franzöſiſchen Offizier. Er trug die Uniform eines reitenden Jägers, hatte aber keine Waffen, und in der That war ſeine Beſchäftigung in dieſem Augenblick nichts weniger als kriegeriſch, denn er ſuchte mit aller Gemächlichkeit einige Flaſchen Champagner zuſammen, die augenſcheinlich zur Abkühlung in den Fluß gelegt waren.
„Eh bien, Alphonse,“ rief eine Stimme vom Feuer her,„was zögern Sie?“
„Ich komme, ich komme,“ antwortete der Angere⸗ dete,„aber par Dieu, ich kann nur fünf von unſern Flaſchen finden; eine davon ſcheint vom Strome weg⸗ geſpült zu ſeyn.“
„Thut Nichts,“ erwiederte der Andere,„wir ſind ja nur zu drei, und einer von uns ſteht ohnehin auf der Krankenliſte.“
Die einzige Antwort hierauf war ein ziemlich leiſe geſungener Chor eines franzöͤſiſchen Trinkliedes, nur zuweilen unterbrochen von Verwünſchungen über die fehlende Flaſche. In dieſem Augenblick drang ein klin⸗ gelndes Getöne in mein Ohr und als ich niederblickte, gewahrte ich am Fuße des Felſen den Schatz, welchen der Andere vergebens geſucht hatte. Die Flaſche war, wie er richtig vermuthete, durch einen Strudel wegge⸗ ſchwemmt worden und als Kriegsgefangener in den Be⸗ reich meines Griffes gekommen. Ich geſtehe, daß von dieſem Augenblick an mein Intereſſe an der Sache ſich bedeutend erhöhte, dann eine Champagnerflaſche war in Umſtänden wie die meinigen, kein zu verachtender Fang; mit ängſtlichen Blicken überwachte ich daher jede Ge⸗ bärde des ungeduldigen Franzoſen und ſchwankte zwiſchen Furcht und Hoffnung, je nachdem er dem Gegenſtande ſeines und meines Sehnens ſich näherte oder von ihm entfernte.
„Mag ſie zum Teufel ſeyn,“ rief ſein Kamerad ihn von Neuem zu.„Jacques hat alle Geduld ver⸗
oren.“


