Teil eines Werkes 
14. bis 18. Bändchen (Schluß) (1846)
Entstehung
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zwei Zoll ohne die Stiefel geworden iſt, und auf die

Franzoſen hineingaloppirt, als wären es Strauchdiebe. Peggy Mahon, Ihre Amme, wird ſich Wunder was darauf einbilden, und an dem Tag, wo dieſe Nachricht ankommt, wird in der Kaſerne von Portumna kein Sol⸗ dat nüchtern bleiben. So wahr ich lebe, man wird jetzt

Alles, was einen rothen Rock trägt, und wäre es nur

eine Vogelſcheuche auf dem Felde, mit gewaltigem Re⸗ ſpekt behandeln.

Die Gegend, durch welche wir zogen, zeigte uns bei jedem Schritt Spuren des Rückzuges; die üppigen Kornfelder lagen umgeknickt durch die Hufen der Rei⸗ terei oder durch die Räder der Bagagewägen; die Straßen waren durchſchnitten, ſo daß man ſie kaum paſſiren konnte, und da und dort ſah man Zeichen von einem Bivouac. Gleichwohl war hier Alles ganz anders als in Portugal, wo die Franzoſen mit der roheſten Grau⸗ ſamkeit gewüthet hatten. Dort zeugten zerſtörte Schlöſſer, niedergebrannte Dörfer, entweihte Altäre und gemordete Menſchen von der Bosheit eines geſchlagenen Feindes; hier aber hatten ſie kaum die Grenze überſchritten, als ſich ihr Charakter wie mit einem Zauberſchlag umwan⸗ delte. Disciplin und Gehorſam traten an die Stelle der plünderungsſüchtigen Zügelloſigkeit, und dieſelben Krie⸗ ger, die ſich kurz zuvor ſo unmenſchlich gezeigt hatten, begegneten jetzt den Spaniern mit Mäßigung, ja ſogar Zuvorkommenheit. Sie bezahlten Alles, nahmen ruhig ihre Billets, marſchirten geordnet und regelmäßig und gaben bei ihrem weitern Vorrücken ins Herz des Landes die merkwürdigſten Beweiſe einer Diseiplin, welche mit einem einzigen Wort eine geſetzloſe, banditenmäßige Soldateska in eine wohldisciplinirte, wohlgeordnete Ar⸗ mee umzuwandeln vermag.

Als wir uns dem Azava näherten, wurden die Spu⸗ ren des Rückzugs immer weniger ſichtbar, und die durch den Marſch nicht verwüſtete Gegend lag meilenweit in ihrer ganzen herrlichen Fülle vor uns. Das hohe Korn