Teil eines Werkes 
14. bis 18. Bändchen (Schluß) (1846)
Entstehung
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wogte in goldnen Aehren; die wilde Genziane und der Lorbeer wuchſen überall; das Vieh ſtand in dem klaren Strome und ſonnte ſich, wahrend da und dort Landleute unthätig auf dem Ufer umher lungerten. So ſeltſam ſich ſolche Beweiſe von Frieden und Ruhe neben dem verwüſtenden Zug einer gewaltigen Armee ausnahmen, ſo habe ich doch das Gleiche mehr als einmal geſehen und öfter in der nächſten Nähe unſers eiligen Marſches ganz unberührtes Land bemerkt; für manchen Einwohner war das Waffengetöſe und dumpfe Gerolle der Artillerie blos wie ein vorübergehendes Donnerwetter, und wenn nach dem wilden Sturme der Himmel ſich erheiterte, ſo konnte er mit vergnügtem dankbarem Lächeln auf ſeine herr⸗ lichen Felder ſchauen, während ſeine Nachbarn durch Verwüſtung von all ihrem Hab und Gut an den Rand der Verzweiflung gebracht waren.

Wir bivouakirten am Ufer des Fluſſes, eine echte Szene für Salvator Roſa. Die Felſen ragten hoch über uns empor und viele kleine Bäche ſtürtzten von Klippe zu Klippe, um in ihrem Zickzacklaufe den glänzenden Strom unten zu ſuchen. Die dunkle Fichte und die gewaltige Eiche vermiſchten ihre Zweige mit den anmuthigen Cedern, die ſich wie Fächer über uns aus⸗ breiteten. Durch ihren dichten Schatten ſah man gleich⸗ wohl da und dort ein Stüͤck von dem geſtirnten Himmel herabblicken und ein ſchwachgelber Streif auf dem ſtillen Waſſer verkündete, daß die Königin der Nacht herauf⸗ gezogen war. Nachdem ich mein frugales Abendeſſen eingenommen, wanderte ich allein am Ufer des Fluſſes hinab. Bald blieb ich ſtehen, um ſeine kühnen Schwin⸗ gungen durch das einſame Thal zu betrachten, bald warf ich wieder einen flüchtigen Blick auf unſre rothen Wacht⸗ feuer und auf die kecken Geſichter um ſie herum. Sorg⸗ los ſchallendes Gelächter und der rauhe Baß eines er⸗ probten Veteranen, der ſeine Abenteuer preisgab, waren die einzigen Töne, die noch einige Zeit zu mir drangen. Der Weg neben dem Fluß ſchien in Felſen gehauen zu