60
verſpüren, wie er ſie darauf zu legen gewohnt war, indeß Worte der Beruhigung von ſeinen Lippen kamen und ſich tief in mein Herz ſenkten.
Mit Gedanken dieſer Art ſchlenderte ich eines Mor⸗ gens allein von meinem Quartiere weg. Noch war ich nicht weit gekommen, als mich das Geräuſch eines Maulthierkarrens erweckte, deſſen klingelndes Geläut und Geklapper ſich ſchon von ferne bemerklich machte. Eine Biegung des Weges brachte ihn mir vor die Augen, und an dem auffallenden Koſtüm des Fuhrmanns, ſo wie an der kleinen Orangeflagge, welche das Wägelchen ſchmückte, ſah ich, daß es die Briefpoſt von Liſſabon war.
So voll war mein Herz von Gedanken an die Heimath, daß ich haſtig nach dem Lager zurückkehrte. Als ich in's Quartier des Generaladjutanten kam, fand ich daſelbſt eine bedeutende Anzahl von Offizieren ver⸗ ſammelt; die Ankunft der Poſt war für alle ein hoch⸗ wichtiges Ereigniß; jeden Augenblick wurde der Zu⸗ drang größer und einer um den andern fragte, ob das Brieſpaket noch nicht geöffnet ſey. Der Lärm, die Ver⸗ wirrung und Aufregung, nachdem dies geſchehen war, überſtieg allen Glauben; jeder las ſeinen Brief halb⸗ laut, als ob ſeine Privatgeſchäfte und häuslichen Ange⸗ legenheiten für ſeinen Nachbar von bedeutendem Intereſſe ſeyn müßten, und Töne der Verwunderung, des Ver⸗ gnügens, oder auch gelegentlich des Zornes, je nachdem die Nachrichten lauteten, machten ſich allenthalben Luft — diejenigen, die ihre Erwartungen getäuſcht ſahen, fluchten über ihre faulen Correſpondenten, beſeufzten das Schickſal von Wechſeln, die nicht angelangt, von Anweiſungen, die nicht honorirt worden, während da und dort ein öffentlicher Wohlthäter, eine Nummer der Times oder des Chroniele vor ſich ausgebreitet, unſere eigenen Heldenthaten auf der Halbinſel oder die neuen Veränderungen in der Welt der Politik ſeit unſerer Abreiſe von England erzählte. Von allen Seiten erkrachte ein Kreuzfeuer von Neuigkeiten und Londner


