Teil eines Werkes 
9. bis 13. Bändchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

57

„Würden Sie nicht beſſer ihun, ſeine Wunden zu unterſuchen?“ ſagte Conyers in einem ſarkaſtiſchen Tone, für welchen ich ihn hätte ſchlagen können.„Vielleicht blutet er?“

„Ja,“ ſagte O'Shaughneſſy,„laßt uns nach dem armen Burſchen ſehen.“ So ſprechend, knüpfte er mit Beauforts Hülfe ſeinen Rock auf und öffnete auch ſeine Weſte: aber es war nirgends eine Spur von Blut zu ſehen, und wir dachten daher alle an eine innere Ver⸗ blutung. Jetzt drückte mich Conyers auf die Seite, bückte ſich nieder und ſagte:„Sie brauchen ſich um ſein Davonkommen nicht ſehr zu bekümmern: da ſehen Sie.“ Mit dieſen Worten riß er Trevyllians Hemd auf und zeigte unſern erſtaunten Blicken ein vollkommen ſchuß⸗ feſtes Panzerhemd, welches dicht ſeine Bruſt umſchloß.

Die Wirkung, die dieſer Anblick hervorbrachte, ver⸗ mag ich nicht zu beſchreiben. Beaufort ſprang wie wahnſinnig auf und ſchrie im Tone eines Verzweifeln⸗ den:„Niemand wird glauben, daß ich Etwas ge⸗ wußt—

„Nein, nein. Beaufort, Ihre Ehre iſt über einen ſolchen Makel erhoben,“ ſagte Conyers.

O’Shaughneſſy war vollkommen ſprachlos; er blickte von einem zum andern, als ob immer noch ein Geheimniß unerklärt bliebe, und ſchien erſt dann wieder zu einigem Bewußtſeyn zu gelangen, als Baker ſagte: „Ich fühle keinen Puls und auch das Herz ſteht ſtill.“ Conyers legte ſeine Hand auf die Bruſt des Todten, befühlte ſeinen Hals, hob einen Arm empor und mur⸗ melte, als dieſer ſchwer zu Boden ſiel:„Ja, er iſt todt.“

So war es auch. Keine Wunde war zu entdecken: die Kugel wurde in ſeinen Kleidern gefunden. Ein furchtbarer innerer Kampf hatte den Lebensfaden abge⸗ ſchnitten, und der kräftige Mann war erlegen.