Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1846)
Entstehung
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rückenden Feinde durchzuſchlagen, da an einen Rückzug durch die verſperrten Straßen ſchlechterdings nicht zu denken war. Der Regen ſtrömte in ſolchen Maſſen her⸗ ab, daß man kaum ein paar Schritte weit vor ſich ſe⸗ hen konnte; aber aus dem Geraſſel der Waffen und den rauhen Tönen einer kommandirenden Stimme konnte ich ſchließen, daß unſere Gegner ſich zu einem Angriff auf⸗ ſtellten.

In der Hoffnung, ſie durch Ueberrumplung zu ver⸗ wirren, gab ich jetzt Befehl zum Angriff; wir ſtießen unſern abgehetzten Thieren die Sporen in die Seiten und ſtürmten voran. Der Volkshaufe ſtob rechts und links auseinander, als wir heranrückten, und durch den dich⸗ ten Nebel konnten wir eben bemerken, daß ein Trupp Reiter vor uns ſtand.

Im Nu waren wir unter ihnen. Sie ſtürzten zu beiden Seiten nieder, Mann und Roß rollten übereinan⸗ der her, ohne daß ein Schuß oder ein Hieb gegen uns gerichtet wurde. Niemals habe ich eine ſolche gänzliche Veſtürzung geſehen: Einige warfen ſich vom Pferde und flohen nach den Häuſern, Andere drehten um und ſuch⸗ ten zu fliehen, aber der Andrang hinter ihnen lähmte alle ihre Bewegungen, und zuletzt wurden wir ſelbſt zwiſchen ſie eingekeilt.

In dieſem kritiſchen Augenblick fiel ein plötzlicher Lichtſtrahl aus einem Fenſter auf die ungeordnete Maſſe, und mit Staunen um nicht zu ſagen Entzücken merkte ich, daß es portugieſiſche Truppen waren. Bevor ich Zeit hatte mein Corps zum Stehen zu bringen, wurde ich in meiner Wahrnehmung beſtärkt durch eine wohl⸗ bekannte Stimme, die mitten unter der Maſſe rief:

Greift an, ihr Teufel! ſo greift doch an! Ihr glorreichen Hidalgos, haut ſie nieder: Los infidelos, sacrificados los! Zerſtreut ſie wie Spreu!

Ein ſchallendes Gelächter war meine einzige Ant⸗ wort auf dieſe nachdrucksvolle Aufforderung uns zu ver⸗

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