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In den langen Stunden der Sommernacht dachte ich viel an ihn; erſt gegen Morgen ſchlief ich ein und beim Erwachen war mein erſter Gedanke, welch einſa⸗ mer Tag mir bevorſtehe. Die Meilen glitten nicht län⸗ ger unbemerkt dahin, Mittag und Nacht ſchienen nicht mehr ſo raſch auf einander zu folgen. Ach, daß man alt werden muß! Selbſt die Kümmerniſſe unſerer frü⸗ hern Jahre haben etwas Liebliches und Rührendes an ſich. Weniger aus tiefem Weh, als aus geringfügigen Mißgeſchicken entſpringend, verſetzt ſich der Gram, den ſie verurſachen, immer mit angenehmen Gedanken, die an eine holde Vergangenheit gemahnen und inmitten der Thränen, welche heraufbeſchworen werden, einen glänzenden Regenbogen zukünftiger Hoffnung bilden.
Der gute St. Croir war mir ſehr lieb geworden, und es wurde mir öde und einſam um's Herz, als er mich verlaſſen hatte.
Dreiundfünfzigſtes Kapitel. Alvas.
Kein Ereigniß von Bedeutung ſtieß uns auf dem weitern Marſche nach den Grenzen Spaniens auf, und endlich erreichten wir die kleine Stadt Alvas. Es war nach Sonnenuntergang, als wir dort anlangten, und anſtatt der gewöhnlichen Ruhe und Stille eines kleinen Dorfes fanden wir die Straßen vollgedrängt von Fuß⸗ gängern und Reitern; Maulthiere, Ochſen, Karren und Wägen verſperrten den Durchgang und von allen Seiten hörte man das Fluchen der Treiber und das Gekreiſche von Weibern und Kindern.
Mit dem bischen Spaniſch, das ich verſtand, fragte ich einige der Nächſtſtehenden über die Veranlaſſung dieſes Wirrwars und erhielt zur Antwort, es habe zwi⸗
Lever, O'Malley. II. 17


