256
San Chriſtoval, ungefähr drei Stunden von uns, be⸗ ſetzt halte. Die Gelegenheit zu ſeiner eignen Armee zurückkehren zu können, erfreute ihn weit weniger als ich erwartet hatte; er hörte ohne ein Zeichen des Ver⸗ gnügens, daß die Stunde ſeiner Befreiung geſchlagen, und als der Augenblick des Abſchieds kam, war rr tief gerührt.
„Eh bien, Charles,“ ſagte er traurig lächelnd, während ihm die Thränen in die Augen traten,„Sie ſind mir ein gütiger Freund geweſen. Wird wohl die Zeit nie kommen, da ich Ihnen vergelten kann?
„Ja, ja, wir treffen uns gewiß wieder. Inzwiſchen können Sie das, was ich gethan habe, ſchon jetzt mehr als vergelten.“
„Sagen Sie. o ſagen Sie wie?“
„Mancher brave Kerl von uns befindet ſich in fran⸗ zöſiſcher Gefangenſchaft, und ohne Zweifel wird dies noch manchem widerfahren. Wenn Ihr Schickſal Sie je mit ſolchen Leuten in Berührung bringt“—
„Sie ſollen meine Brüder ſeyn,“ rief er, auf mich zuſpringend und ſeinen Arm um meinen Nacken ſchlin⸗ gend; Adieu, adieu!“ damit ſtürzte er weg, nud bevor ich wieder ſprechen konnte, ſaß er ſchon auf dem Pferd des Bauern und winkte mir zum letztenmal mit der
and. 5 Ich ſah ihm nach, wie er den grünen Abhang des Berges hinabgaloppirte und der Hufſchlag ſeines Pferdes in der ſtillen Ebene wiederklang. Endlich kehrte ich an meinen Platz zurück und bemerkte erſt jetzt, daß er mir beim Abſchied das Miniaturbild der Kaiſerin umgehängt hatte. Der arme Junge! wie betrübte mich der Ge⸗ danke, ihn einer Sache beraubt zu haben, die er ſo über⸗ aus werth hielt! Wie gerne wäre ich ihm nachgeeilt, um ſein Geſchenk zurück zu geben! Es war das einzige Werthvolle, was er beſaß, und da er wußte, daß ich es freiwillig nicht angenommen haben würde, ſo hatte er es mir auf dieſe Art aufgedrungen.


