des alten Bourbonenhofes weit erträglicher geweſen ſeyen, als die unfreundliche Rückhaltſamkeit und die unbeugſame Steifheit des kaiſerlichen.
„Die Antichambre iſt nur der Abglanz des Audienz⸗ ſaales, und wie es ſich auch mit den Grillen, Launen, Kleinlichkeiten des großen Mannes verhalten mag, ſie werden jedenfalls von ſeinen Untergebenen ſchleunig an⸗ genommen, und das finſtere Temperament eines einzigen wirft einen trüben Schatten auf alle Diener ſeiner Um⸗ gebung.
„Was uns betraf, ſo hatten wir uns bald allerlei vom Kaiſer angeeignet, und ich müßte mich ſehr irren, wenn ich nicht die Impertinenz, der man ſich im Wartzim⸗ mer ausſetzte, mehr gefürchtet und verabſcheut wurde, als die barſche Sprache und der inquiſitoriſche Blick Na⸗ poleons ſelbſt.
„Welch ein boshaftes Vergnügen gewährte es mir nicht, wenn ich Herrn von Talleyrands Schritt vor dem Kabinet des Kaiſers aufhalten konnte! Mit welcher leicht⸗ fertigen Inſolenz lispelte ich nicht:„Verzeihen Sie mein Herr, aber Se. Majeſtät kann Sie nicht empfangen’, oder: ‚Herr Herzog, Se. Majeſtät hat keine Ordre ge⸗ geben, Sie einzulaſſen!: Wie ergötzte ich mich nicht an der Verblüfftheit dieſer Herren, wenn ſie ſich wieder unter die große Maſſe zurückziehen mußten, der ſchlaue Diplomat ſeinen Aerger durch ein erkünſteltes Lächeln ver⸗ deckend, während der ſtrenge Marſchall bis an die Au⸗ gen roth wurde vor Erbitterung. Dies war das Haupt⸗ vergnügen, das unſere Stellung uns gewährte, und mit knabenhafter Bosheit trieben wir es ſo hoch uls möglich, ſo daß wir zuletzt der Schreck und Abſcheu Aller wur⸗ den, welche die Levers beſuchten. Der Geſandte, der in den Rathsſitzungen von Königen furchtlos ſeine Stimme abgab, wurde, wenn er in unſere Nähe kam, ſanft und gewinnend; der kühne General, der ohne Zagen eine Artilleriebrigade angriff, wurde ſchüchtern wie ein Mad⸗


