Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

fragte St. Croir mit einem halb boshaften Lächeln, als ich das Glas ſchweigend an meine Lippen hob.

Ich wurde feuerroth und ſah verwirrt aus.

Auf ihre ſchönen Augen, wer ſie auch ſeyn mag! ſagte er und leerte fröhlich ſein Glas;nun aber will ich Ihnen, wenn Sie gerne zuhören, meine Geſchichte erzählen. Sie verdient es zwar eigentlich kaum, kann abee doch jedenfalls dazu dienen, Sie in Schlaf zu ullen.

Ich habe Ihnen bereits geſagt, daß ich Page war. Ach, ſtellen Sie ſich unter einem ſolchen Würdeträger, wenn er zum Haushalt des Kaiſers Napoleon gehörte, ja keinen Cherubino vor. Dieſer verliebte Schmetter⸗ ling ſonnte ſich in dem huldreichen Lächeln und den ſtrahlenden Blicken der Gräfin Almaviva; wir bekamen Nichts als die kalten, unempfindſamen Blicke von Tal⸗ leyrand zu ſehen, das ſcharfe, durchdringende Auge Sa⸗ vary's oder das zweideutige, halb drohende, halb ſpöt⸗ tiſche Lächeln des Monſieur Fouche. Wenn wir Dienſt hatten, ſo mußten wir unſere Tage im Vorzimmer neben dem Audienzſaal des Kaiſers zubringen, an die geſchloſ⸗ ſene Thüre angelehnt, aufmerkfam auf das leiſe Klin⸗ geln der kleinen Glocke horchend, die uns das Zeichen gab, irgend einen hochmüthigen Diplomaten hinaus oder einen gefürchteten General hineinzulaſſen. Auf dieſe Weiſe brachten wir die langweiligen Stunden zu. Die hochberühmten Gäse, von denen wir umgeben waren, hatten nichts Neues, folglich keine Anziehungskraft mehr für uns, und bereits hiſtoriſche Namen waren für uns alltägliche Worte.

Wir haben oft das ſtolze, kalte Benehmen des Kaiſers gegen diejenigen ſeiner Generale beobachtet, die früher ſeine Waffengefährten geweſen waren. Alle Ver⸗ traulichkeit oder Freiheit, die im Feldzug und auf dem Schlachtfelde ſtattgefunden haben mag, war durch die Luft der Tuilerien erſtickt worden. Ich habe oft gehört, daß die ceremoniöſen Gebräuche und die ſtarre Etikeite