Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

240

Ihr Verluſt muß in der That groß geweſen ſeyn. Ihre Leute ſtanden unter dem Feuer einer ganzen Batterie.

Das wiſſen Sie nicht recht, ſagte ich,unſere erſte Abtheilung ſtand ruhig in Oporto, bevor Sie eine Sylbe davon erfuhren.

Ah! sacre Dieu, Verrath, rief er mit der ge⸗ ballten Fauſt auf die Stirne ſchlagend.

Nein, blos Kühnheit, weiter Nichts. Aber kom⸗ men Sie und erzählen Sie mir von Ihrem eigenen Schickſal. Wie wurden Sie gefangen?

Ganz einfach auf folgende Weiſe: Ich wurde zum Nachtrab geſandt mit Ordre an die Artillerie, daß ſie ihre Stränge abſchneiden und die Kanonen ſtehen laſſen ſollen. Als ich zurückkehrte, wurde mein Pferd auf dem ſchwierigen Weg müde, und ſo ſehr ich es an⸗ ſpornte, ſo ereilte mich doch einer Ihrer ſchweren Drago⸗ ner und ritt mich geradezu mit meinem Thiere nieder. Ei⸗ nige Zeit lag ich betäubt vom Falle da, bis ein Infan⸗ teriſt vorüberkam, mich beim Kragen nahm und zum Nachtrab brachte. Doch was ſchadet's? Sie wollen mich nicht ausliefern und ſo erlebe ich vielleicht den Tag, wo ich Ihre Güte vergelten kann.

Sie ſind noch nicht lange im Dienſt?

Es war meine erſte Schlacht: geſtern waren meine Epauletten blank und ſchön, heute ſehen ſie ſchon ein wenig abgenützt aus. Ihr rückt vermuthlich vor⸗ wärts?

Ich lächelte, ohne dieſe Frage zu beantworten.

Ah, ich ſehe, Sie wollen nicht plaudern; aber Sie dürfen ſich darauf verlaſſen, daß Ihre Verſchwiegenheit bei mir unnöthig iſt. Denn wenn ich morgen wieder zu meinem Regiment gelangte, ſo würde ich Alles ver⸗ geſſen haben, was ſie mir ſagten nur Ihre große Güte nicht. Dieſe letzten Worte ſprach er mit einer leichten Verneigung ſeines Kopfes und Röthe überflog ſeine Wangen.