228
„Ich werde es aber nie thun, ohne zuvor die Gründe zu kennen.“
„Und das ſoll ich ihm als Ihre Antwort überbrin⸗ gen?“ ſagte er, mich mit einem Ausdruck ſchlechtver⸗ hehlten Triumphes anblickend.
In dieſen wenigen Worten ſowohl als im Ton, worin ſie geſprochen wurden, lag Etwas, das mich im Innerſten verletzte. Wollte er durch irgend einen diplo⸗ matiſchen Kunſtgriff meine Ehre und meinen guten Namen blosſtellen? War es möglich, daß meine Weigerung irgend einem andern, als dem wahren Grunde zuge⸗ ſchrieben werden konnte? Ich war zu jung, zu unerfah⸗ ren in der Welt, um ſelbſt die Frage zu entſcheiden; einen Andern um Rath zu fragen aber, dazu blieb keine Zeit übrig. Welch' ein peinlicher Augenblick! Meine Schläfe pochten, mein Herz, klopfte beinahe hörbar und ich ſcheute mich, ein Wort zu ſprechen; auf der einen Seite fürchtete ich durch Einwilligung zu einem Schritt verleitet zu werden, der mein ganzes Leben verbittern könnte, und auf der andern bangte mir, meine Weige⸗ rung möchte als Feigheit ausgelegt werden.
Er ſah, er las meine Verlegenheit auf den erſten Blick, und mit dem übermüthigſten Lächeln wiederholte er kalt ſeine Frage. Im Nu war jetzt aller Gedanke an Hammersley entſchwunden. Ich ſah jetzt nur noch ihn vor mir, ihn, der ſeit unſerem erſten Zuſammen⸗ treffen ſich unabläſſig Mühe gegeben hatte, mich gering⸗ ſchätzig behandeln zu wollen. Meine Augen funkelten, meine Hände zuckten vor ſchlecht verhaltener Wuth, indem ich ſagte:—
„Mit Kapitän Hammersley bin ich mir keines Streits bewußt und habe nie durch Blicke oder That eine Abſicht kund gegeben ihn zu beleidigen. Im Uebri⸗ gen gelingen ſolche Winkelzüge nicht immer. Es gibt Leute, die ihrer Freunde Ehre mit der ſtrengſten Ge⸗ wiſſenhaftigkeit bewachen, aber ſehr wenig Luſt haben ihre eigene zu wahren.“


