Kindheit voll Wonne gelauſcht, dem reifern Alter ein
Bild früherer Jahre vorführt, ſo wird auch die Erinne⸗
lucklichen Augenblicke ſich immer in unſere Träume wieder eindrängen und uns in Gedanken wieder jung machen. Blicken wir dann auf unſere weltliche Laufbahn zurück, ſo gewinnen wir die Ueberzeugung, wie wahrhaftig das Kind der Vater des Mannes, wie häufig die Plane unſerer Mannheit die Frucht einer kin⸗ diſchen Vorliebe ſind, und daß wir in der nacheiferungs⸗ vollen Thatenluſt, welche das Herz des Schuljungen aufregt, den Vorläufer jener hohen Kühnheit zu er⸗ kennen haben, deren Beſitzer zum Helden wird.
Solche Augenblicke ſind für uns übrigens auch eben ſo heilſam als genußreich. Befreit von allen weltlichen Sorgen halten wir Muſterung über uns ſelbſt und be⸗ urtheilen uns in der Einſamkeit unſerer eigenen Herzen. Die leiſe Stimme des Gewiſſens, die im Getöſe und Geräuſche der Welt ungehört und unbeachtet bleibt, ſpricht jetzt hörbar zu uns; während wir auf der einen Seite durch Reue gedemüthigt werden, hält uns auf der andern irgend ein heilſamer Gedanke wieder aufrecht und unter manchem Bedauern ob der Vergangenheit, manchem tüchtigen Vorſatz für die Zukunft beginnen wir einzuſehen, wie gut es iſt, daß wir hier ſind.
Der Abend wurde ſpäter; die rothe Sonne ſank in der See hinab und wurde immer größer und größer; die lange Linie gelb glänzenden Goldes, die ſich üͤber den fernen Horizont hinbreitete, nahm zuerſt eine dunkelrothe Färbung an, wurde dann immer bläſſer und bläſſer und endlich beinahe grau; ein einzelner Stern gläͤnzte ſchwach im Oſten und bald trat die Dunkelheit ein. Mit der Nacht kam auch der Wind, denn beinahe unmerklich ſchwellten unſere Segel an, ein ſchwaches Geräuſche am Bug erfolgte, das Schiff lehnte ſich ſanft über und wir waren wieder in Bewegung. Es ſchlug auf vier Glocken; eine zufällige Aehnlichkeit mit dem Getöne der alten Standuhr in meines Oheims Haus überraſchte mich der⸗
rung an dieſe g


