33
Hier füllte er ſein Glas von Neuem und trank es wie⸗ derum aus, wie wenn er für ſich ſelbſt einen Toaſt aus⸗ gebracht hätte.
„Ich möchte doch wiſſen.“ verſetzte Power, der ſo⸗ gleich begriff, daß im Gemüthe des Adiutanten etwas Beſonderes vorging,„ich möchte doch wiſſen, wie es kam, daß ein ſo hübſcher, ſo martialiſcher Mann, der ſich immer unter den Schönen viel zu ſchaffen machte, ein Mann mit einem ſo verdammt ſchelmiſchen Auge, ſo ſchlangenglatter Zunge, wie zum Teufel es kam, daß ein Mann wie Sie, ſich nicht verheirathete.“
3„Ich war mehr als einmal auf dem Sprung,“ ant⸗
woortete der Adjutant, der dieſe Schmeichelei mit freund⸗
lichem Lächeln aufnahm.
„Wirklich keine ſchlechte Idee, immer auf dem Sprung ſtehen zu bleiben,“ bemerkte der Doktor, mit einer höchſt eigenthümlichen Verziehung ſeines Geſichtes.
„Freilich, ein Mann wie Sie kann auch Anſprüche ma⸗ chen und begnügt ſich nicht ſo leicht,“ fuhr Power fort, der ſein Ziel nicht ſo geſchwind aus den Augen ließ;“ „da ſteckt der Knoten. Sie ſind überall obenan und Sie haben Erfolge, bei denen man ſich nicht wundern kann, wenn Ihnen der Kopf ſchwindlig wird. Deßwegen iſt Ihnen auch keine Frau reich, ſchön und vornehm genug.“
„Nein, bei Gott, da haben Sie Unrecht,“ verſicherte der Adjutant, der an Köter und Hacken zugleich anbiß, „vollſtändig Unrecht; denn ich weiß ſelbſt nicht, wie es kommt, aber ich bin mein ganzes Leben lang verdammt entzündlicher Natur geweſen; nicht als ob ich mir aus Euern aufknospenden ſechzehnjährigen Schönheiten in weißem Mouſſelin, friſch von der Penſion oder Gouver⸗ nante weg, viel gemacht hätte; nein, mein Geſchmack neigte ſich mehr den reelleren Reizen der Frauen von zwei oder drei und dreißig zu, mit einem gewiſſen Embonpoint, gutem Fuß und Knöchel, einer vernünftigen Breite der Schultern.“
Lever, OMalley. II. 3


