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findſam die zahmſte Phantaſie! In kurzen flüchtigen Sekunden ſtellen ſich die Ereigniſſe eines ganzen Lebens vor unſeren Blicken dar. Träume von Gluͤck und Viſio⸗ nen von Wonne, deren Glorienſchein alle unſere ſpäteren Jabre nicht zu verwiſchen vermögen, kommen myriaden⸗ weiſe angeſtürmt, und aus der ſchmalen Oeffnung, durch welche dieſe neue Hoffnung in unſer Herz dringt, er⸗ gießt ſich eine Lichtflut, die unſern Pfad bis zum Rande des Grabes erleuchtet. Wie mancher Erfolg in ſpätern Tagen iſt blos ein Schritt auf dieſer von der Phantaſie des Knaben errichteten Leiter des Ehrgeizes, vielleicht der erſte, vielleicht auch der einzige Schritt! Mit wel⸗ chem Wonnegefühl begrüßen wir nicht irgend ein erreich⸗ tes Ziel unſerer Wünſche, weniger wegen des Vortheils, der uns daraus erwächst, als weil wir darin die Er⸗ füllung irgend einer jugendlichen Prophezeihung erblicken, die unſerem Herzen Alles vorſpiegelte, was wir im Leben zu haben wünſchten, und uns mit Bildern von Glück umgaunckelte!
Wo iſt der Menſch, der nicht ſolche Augenblicke gehabt hätte, der dieſelben mit allen ihren trügeriſchen und lügneriſchen Einflüſſen gegen das größte wirkliche Glück vertauſchen möchte, das ihm je zu Theil geworden iſt! Es Bleibt leider nur zu wahr, daß wir einzig und allein in den ſchreckenloſen Schwung ſolcher unweſen⸗ haften Phantaſie wahrhaft ſelig ſind. Selbſt unſere liebſten Lebensfreuden ſtehen mit einigen Quellen des Kummers in ſo genauer Verbindung, daß der Trank
des Vergnügens nie ganz unvermiſcht iſt, ſondern immer
einen bitteren Bodenſatz behält.
Zu einer ſolchen Welt glänzender Zukunftsbilder erwachte ich am Morgen nach den Ereigniſſen, die ich in meinem letzten Kapitel geſchildert habe. Das Erſte, worauf mein Auge ſiel, war ein Dienſtſchreiben folgen⸗ den Inhalts:
„Der Oberbefehlshaber wünſcht, daß Mr. O'Malley


