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ſchleicht, Gedanken von Seligkeit und Schönheit um ſich verbreitet und doch den dunklen Einfluß des Schlafes kaum verſcheuchen kann! Dies war mein erſter Gedanke, als mich, während meine Augenlieder geſchloſſen blieben, die ſanften Accorde einer Harfe zu einem Gefühl un⸗ ausſprechlicher Wonne erweckten. Ich drehte mich leiſe in meinem Stuhle um und erblickte Miß Daſhwood. Sie ſaß in der Niſche eines altmodiſchen Fenſters; der blaßgelbe Schein einer winterlichen Abendſonne fiel auf ihr ſchönes Haar und gab ihm ein Kolorit, wie ich es oft auf Rembrandt'ſchen Gemälden geſehen habe. Ihr Kopf lehnte ſich auf die Harfe, und nach den Tönen zu ſchließen, welche ſie auf's Gerathewohl den Saiten ent⸗ lockte, war ihre Seele weit entfernt von Allem, was ſie dermalen umgab. Als ich ſie anblickte, richtete ſie ſich plötzlich aus ihrer gebeugten Stellung empor, ſtrich ihre Locken von der Stirne, präludirte mit einigen Accorden und hauchte dann— Geſang konnte man es kaum nen⸗ nen— die herrliche Arie Moores: Sie iſt fern von dem Lande, wo ihr junger Held ſchläft. Nie zuvor hat⸗ ten meine erſtaunten Sinne einen ſolchen Ausdruck, ſolch tiefes Gefühl vernommen. Ich lauſchte athemlos, wäh⸗ rend mir die Thränen eine um die andere die Wange hinabrollten; meine Bruſt hob ſich und fiel, und als ſie aufhörte, barg ich mein Geſicht in beide Hände und ſchluchzte laut. In einem Augenblick war ſie neben mir, legte ihre Hand auf meine Schulter und ſagte:
„Armer, guter Junge, ich habe Sie nicht hier ver⸗ muthet, ſonſt würde ich dieſes melancholiſche Lied nicht geſungen haben.“
Ich fuhr empor, ſah ſie an und— warum weiß ich nicht— aber ſie wurde plötzlich bis an die Stirne huraneraih und fügte in einem weniger ſichern Tone
inzu:
„Ich hoffe, Mr. O'Malley, daß Sie ſich beſſer be⸗ finden, und daß es keine Unporſichtigkeit von Ihnen war, hieher zu kommen.“


