3⁰0 ſoldatiſchem Anſehen, der, als ich ihm vorgeſtellt wurde, kaum den Kopf wandte und durch ſein höchſt nachläſſi⸗ ges Nicken die unzweideutigſte Kälte an den Tag legte. Es gibt im Menſchenleben Augenblicke, wo das Herz gleichſam allen zufälligen oder gelegentlichen Eindrücken blosgeſtellt iſt und eine wunderbare Empfänglichkeit für Freud oder Leid beurkundet. Ich befand mich jetzt in dieſem Falle, und als ich mich von dem lieblichen Mäd⸗ chen, das mich mit ausgezeichneter Höflichkeit empfangen hatte, zu der kalten Miene und dem abſtoßenden Hoch⸗ muth des dunkelbrauigen Kapitäns wandte, drängte ſich mir das Blut heftig nach der Stirne; während ich nach meinem Platze am Tiſche ging, ſuchte ich begierig ſein Auge, um ihm einen Blick trotziger Herausforde⸗ rung zuzuwerfen, eben ſo ſtolz und verachtungsvoll, wie ſeine eigenen. Kapitän Hammersley inzwiſchen nahm keine weitere Notiz von mir, ſondern fuhr fort, zur Untechaltung der Geſellſchaft einige ausgezeichnete Ge⸗ ſchichten aus ſeiner militäriſchen Laufbahn zu erzählen, die von Allen, nur von mir nicht, mit dem größten Beifall aufgenommen wurden. Was mich aber am mei⸗ ſten erbitterte— und wenn man einmal eine Abneigung gegen eine Perſon gefaßt hat, ſo iſt ja nichts leichter, als Nahrung für dieſen Widerwillen zu ſinden— war
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ſeine Gewohnheit, alle ſeine Anſpielungen auf das mili⸗
täriſche Leben mit einem ſchlecht verhehlten Hohn gegen ſämmtliche Civiliſten zu vermiſchen, gleich als ob jeder Nichtſoldat für den gewöhnlichen Verkehr in der Welt ganz und gar untauglich und hauptſächlich einer günſti⸗ gen Aufnahme in Damengeſellſchaft unwurdig wäre. Die jungen Ladies der Familie waren eine gut ge⸗ wählte Zuhörerſchaft, denn ihre Bewunderung für die Armee erſtreckte ſich von der Leibgarde bis zum Vetera⸗ nenbataillon, die Sapeurs und Mineurs mit eingeſchloſ⸗ ſen; und da Miß Daſhwood die Tochter eines Soldaten war, ſo ſtimmte ſie in vielen, wenn auch nicht in allen
Punkten mit ihm überein. Ich wandte mich gegen mei⸗


