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Lascaris und Meliſſa erſchienen auch bald, beide in Scharlach⸗ kleidern, begleitet von Mirxa, den neun Haiduken und vielen vor⸗ nehmen montenegriniſchen Kriegern und Frauen in der Kirche, wo ſie, vor dem Archimandriten niederkniend, die Meſſe hörten, jedes eine vergoldete und bemalte Wachskerze in der Hand haltend. Nach der Meſſe nahmen die Chorknaben dem zu verſchwiſternden Paare die Kerzen ab, reichten dem künftigen Bruder wie ſeinem anzuhof⸗ fenden Schweſterlein einen grünen Epheukranz, und die bindende ſchöne Ceremonie, welche der Prieſter wie eine Hochzeit einſegnete, begann unter den üblichen Feierlichkeiten. Lascaris ſtand wie ein Bräutigam rechts, Meliſſa gleich einer Braut links am Altare, auch reichten ſich beide wie ein Brautpaar die rechte Hand, welche der Archimandrit, nachdem er die Epheukränze geweiht hatte, wie bei einer Trauung mit der Stola bedeckte. Der Streiter Gottes hielt nun eine kurze Rede, darin er die Geſchwiſter auf die Wichtigkeit und Feierlichkeit des Augenblickes aufmerkſam machte, ſie erinnerte, wie ſie nun untrennbar verbunden, und vor dem Herrn des Him⸗ mels und der Erde verpflichtet ſeien, mit einander leben, für ein⸗ ander ſterben zu wollen.
„Willſt du,“ ſprach er endlich zu Lascaris,„dies bleiche Kind als deine Schweſter anerkennen, lieben, ehren, ſchützen und verthei⸗ digen, ſo ſprich, auf daß die Allmacht dich höre, ein lautes und vernehmliches Ja!“
„Ja!“ rauſchte es feierlich von den Lippen des Abenteurers.
„Willſt auch du,“ fuhr der Archimandrit fort, ſich zu der Enkelin des Einſchläferers wendend,„dieſen gewaltigen Mann, der da in Zukunft dein Herr ſein ſoll, als deinen Bruder und Beſchützer anerkennen, lieben und ehren, ſo ſprich, auf daß auch dich die All⸗ macht höre, ein lautes und vernehmliches Ja!“
„Ja!“ bebte es leiſe von dem Munde Meliſſa's.
Darauf ſchritten die Geſchwiſter in Ermangelung des Grabes eines ihrer beiderſeitigen Väter zu dem Sarkophage des heilig ge⸗ ſprochenen Wladiken Peter Petrowitſch des Erſten, tauſchten darüber die Epheukränze, indem ſie gegenſeitig den eigenen geweihten Epheu⸗ kranz dem Andern in die Locken drückten, und gaben ſich endlich vor den Augen Gottes wie aller anweſenden Zeugen den Verbrü⸗ derungskuß.
Die Verſchwiſterung war geſchehen.
Bei dem Austritte aus der Kirche wurden die Geſchwiſter von


