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Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei : Roman / von Heinrich Ritten von Levitschnigg
Entstehung
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aus der Herzegowina kommend, dieſem mächtigen Katarakte mit großer Eile näherte. Zeitweiſe Flintenſchüſſe verkündigten, daß ſie ſich den Rückzug nach dem freien Gebiete von Montenegro mit be⸗ waffneter Hand erkämpft und erzwungen habe. Bald auch verriethen die mehr und mehr anwachſenden, endlich in Unzahl herumliegenden Steine, daß man ſich in Wahrheit auf dem ſchwarzen Berge, alſo in Sicherheit befinde, zumal die Wiera, welche die Türken mit dem Wladika im vorigen Hochſommer abgeſchloſſen, noch in voller Wirk⸗ ſamkeit herrſchte und von beiden Seiten gewiſſenhafter als gewöhn⸗ lich beobachtet und eingehalten wurde. Merkwürdig iſt es, bei dieſer Gelegenheit ſei es geſagt, daß die Montenegriner von der Ent⸗ ſtehung der vielen Steine in ihrem Lande ganz dieſelbe Mythe erfunden haben wie die Dänen von einem gewiſſen Gerölldamme auf einer ihrer Inſeln, und wie noch andere Völker von ihren hei⸗ miſchen Bergen. Als der Werkmeiſter der Welt, fabeln die Cſerna⸗ gorazen, umherging dieſelbe zu erbauen und mit einem großen Sack voll Bauſteine durch Montenegro kam, da erhielt dieſer Sack ein Loch, und da er es nicht gleich bemerkte, ſo entſchlüpfte ihm hier eine ſo große Maſſe ſeiner Steine, daß ſie noch jetzt das ganze Land bedecken.

Ja, die Flüchtlinge waren in Wirklichkeit nach Montenegro gelangt.

Ja, ſie fußten endlich auf deſſen freien Bergen, deren Name oder Beiname vielleicht mehr auf die verwünſchte, trübſelige und melancholiſche Rauhigkeit ihres Anblickes als auf die ſchwarze Farbe hindeutet, die ſich nirgends ſchauen läßt. Zwar behauptet man, daß Montenegro wie der deutſche Schwarzwald dieſe ſeine Bezeichnung von ſeinen ehemaligen dunklen Tannenwäldern empfangen haben ſoll, die übrigens längſt ausgerodet worden, ja ſelbſt bereits ver⸗ ſchwunden waren, als der obige Name während den erſteren mäch⸗ tigeren Schilderhebungen der Montenegriner gegen die Türken in Gebrauch und Umlauf zu kommen begann. Man findet ferner in einigen Theilen von Montenegro noch hie und da einige Tannen⸗ forſte, aber viel häufiger ſind die hellen freundlichen Buchenwal⸗

dungen, nach denen auch ein Stück des Landes die Bucovizza, zu 3 deutſch das Buchenwaldgebirge genannt wurde. Auch von der Farbe der Felſen können die ſchwarzen Berge ihren Namen nicht erhalten

haben, denn dieſelbe iſt hellgrau wie in ganz Dalmatien, und nir⸗ gends weiſen dieſe Felſen jene finſtere und dunkle Stirne wie ſie