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Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei : Roman / von Heinrich Ritten von Levitschnigg
Entstehung
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die bosniſchen Zuſtände geſtaltet und zwar zur Zeit, da unſer Ro⸗

man begann, in welchem wir uns erlaubten, einen Nachfolger Kosrew's, den bereits vorgeführten Juſſuw Paſcha in die Geſchichte zu ſchmuggeln, einen Mann, der faſt alle Fehler der Osmanlis, aber auch nicht eine Tugend der alttürkiſchen Partei aufzuweiſen hatte, und daher nicht wenig beitrug, die neue chriſtliche Schilderhe⸗ bung in Bosnien zum Ausbruche zu drängen. Juſſuw war zur Be⸗ wältigung des Aufruhres gerüſtet, hatte aber, wie Riswan den Seinigen erzählte, noch einen weiteren Ferman in dieſer Angelegen⸗ heit abzuwarten.

Dieſer Ferman war bereits auf dem Wege von Stambul nach Traynik.

Wenige Tage nach jenem denkwürdigen Geſpräche zwiſchen Lascaris und ſeiner Braut fuhr ein türkiſcher Courier durch die bosniſchen Berge ſeinem noch fernen Ziele, der Feſtung Travnik, zu. Er hatte auf der letzten Station einen ſchweren Fall mit ſeinem Pferde gethan, und ſah ſich daher gezwungen, ſeine Reiſe in einem jener leichten, aber unbequemen Holzkarren fortzuſetzen, die man nur über der Save Vorſpann zu taufen wagt. Der Abend war her⸗ eingebrochen, kühl und trübe, die Gegend ringsumher ſah gar un⸗ heimlich, ja räubermäßig, das abgelegene Gefilde glich einer Einöde; demungeachtet hegte der Reiſende nicht die geringſte Be⸗ ſorgniß, da er wohl von einigen Straßenanfällen gehört hatte, in ſeiner Eigenſchaft als Offizier und Kourier jedoch vollkommen ſicher zu ſein glaubte. Ali, ſo hieß der junge Mann, ſollte jedoch ſchlimm enttäuſcht werden. In einer Lichtung hart an einem ſteilen Abhange wurde nämlich der Wagen von einem Haufen Wegelage⸗ rer überfallen, und Herr wie Fuhrmann ein alter Bosnier, dem man übrigens kein Leid anthat im nächſten Augenblick ergriffen und etwas unſanft zu Boden geworfen.

Die Bande both einen ſehr buntſcheckigen Anblick, ſie ſchien aus allen Nationen im Südoſten Europa's der Geſichtsbildung wie der Tracht nach zuſammengewürfelt worden zu ſein. Am häßlichſten ſah ihr Anführer, ein Deſerteur Namens Marko, aus, der früher bei den ungariſchen Huſaren gedient haben wollte, und jetzt eine Schaar Wagehälſe angeblich im Sinne Vuk's geworben hatte, aber wenig oder vielmehr gar keinen Unterſchied zwiſchen Politik und

Räuberhandwerk zu machen pflegte. Der Mann beſaß eine wahre

Galgenphyſiognomie. Originell war auch ſeine Tracht und Haltung.