319 Fieberkranken, und ſeine krampft gekrümten Hände ſchlu⸗ gen an den Stuhl.
„Norvins hätte ihn gerne gefragt, ob er krank ſey, aber er fürchtete, ihn auch nur zu ſprechen, während ſeine Aufmerkſamkeit durch die nahen Stimmen wieder abgelenkt wurde. 4
„Noch keinen Strauß bekommen?“ fragte der ſtarke Mann ein neben ihm ſitzendes Frauenzimmer;„par Dieu, das iſt zu arg Erlauben Sie, daß ich Ihnen dazu ver⸗ helfe. Ich ſehe, daß dieſes hübſche Dämchen, das uns ſo verächtlich die Schulter zukehrt, von dem ihrigen wenig Gebrauch macht, alſo avec Permission, Made- moiselle!“ damit ſtand er auf, lehnte ſich über die Scheidewand in die andere Loge, ſtreckte ſeine Hand aus, nahm den Strauß, der vor Margaretha lag und über⸗ reichte ihn dem Frauenzimmer an ſeiner Seite.
„Margaretha fuhr zurück, und warf ihre Augen, die von beleidigtem Stolze blitzten, auf ihren Liebhaber. Er ſtand auf, nicht um die Beleidigung zu rächen, ſondern ihr ſeinen Arm zu bieten und die Loge zu ver⸗ laſſen. Sie heftete einen Blick auf ihn— nie las man in einem Blicke einen ſolchen Ausdruck durchbohrender Verachtung— warf ihren Shawl um und ſagte mit leiſer Stimme: ‚den Wagen.“
„Ehe er die Logenthüre öffnen konnte, um ſie hin⸗ auszulaſſen, ſprang van Halsdt nach dem Vordergrund der Loge und ſtreckte ſich hinüber— alsbald erfolgte ein Platſch— ein Schrei— ein verworrenes Geräuſch meh⸗ rerer Stimmen— und vor allem hörte man das Wort „Gaſſenbube;“ aber da Margaretha forteilte, ſo ſprang Norvins die Treppen hinab und half ihr in den Wagen. Als ſie Platz genommen, machte er eine Geberde, als wollte er ihr folgen, aber ſie zog die Thüre an ſich, ſprach mit ſchauderndem Ausdruck:„Nein“— lehnte ſich zurück und ſchloß den Schlag. Die Kaleſche fuhr fort und Norvins war allein in der Straße.
„Ich werde nicht verſuchen, den ſchrecklichen Strom


